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4-Prozent-Regel in der Schweiz: Wie viel Vermögen brauchst du wirklich zum Leben?

Die sogenannte 4-Prozent-Regel ist eines der bekanntesten Konzepte aus der FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early). Sie beantwortet eine zentrale Frage:


Wie groß muss mein Vermögen sein, damit ich dauerhaft davon leben kann?


Doch funktioniert die 4-Prozent-Regel auch in der Schweiz – einem der teuersten Länder der Welt? Und wie viel Vermögen brauchst du konkret, um hier finanziell unabhängig zu sein?





Was ist die 4-Prozent-Regel?


Die 4-Prozent-Regel besagt:


Wenn du jährlich 4 % deines investierten Vermögens entnimmst, sollte dein Kapital mit hoher Wahrscheinlichkeit 30 Jahre oder länger halten – vorausgesetzt, es ist breit diversifiziert investiert (z. B. in globale Aktienmärkte).


Die Grundformel lautet:


Benötigtes Vermögen = Jahresausgaben × 25


Warum 25? Weil 1 ÷ 0,04 = 25.


Wenn du also 60.000 CHF pro Jahr brauchst, benötigst du:


60.000 × 25 = 1.500.000 CHF Vermögen


Das ist die mathematische Grundlage.


Funktioniert die 4-Prozent-Regel in der Schweiz?


Kurzantwort: Ja – aber nur mit Anpassungen.


Die Schweiz unterscheidet sich in mehreren Punkten von den USA, wo die Regel ursprünglich entwickelt wurde:


  • Hohe Lebenshaltungskosten

  • Starke Währung (CHF)

  • Niedrige Inflation historisch

  • Steuerfreiheit privater Kapitalgewinne

  • Vermögenssteuer (kantonal unterschiedlich)


Gerade die Steuerfreiheit von Kapitalgewinnen ist ein enormer Vorteil. In vielen Ländern reduziert die Steuer die Entnahmemöglichkeit erheblich – in der Schweiz bleibt dieser Hebel bestehen.


Wie viel Vermögen brauchst du konkret in der Schweiz?


Das hängt ausschließlich von deinen jährlichen Ausgaben ab – nicht vom Durchschnitt, nicht vom Nachbarn, sondern von deinem Lebensstil.


Hier realistische Szenarien:


Minimalistischer Lebensstil (Frugalismus)


Jahresausgaben: 40.000 CHF - Benötigtes Vermögen:40.000 × 25 = 1.000.000 CHF

Das ist die untere Schwelle für eine sehr schlanke Lebensweise außerhalb teurer Stadtzentren.


Durchschnittlicher Lebensstil (Single oder Paar ohne Kinder)


Jahresausgaben: 60.000 CHF - Benötigtes Vermögen:60.000 × 25 = 1.500.000 CHF

Das ist für viele urbane Haushalte realistischer.


Komfortabler Lebensstil (Familie oder hohe Fixkosten)


Jahresausgaben: 100.000 CHF - Benötigtes Vermögen:100.000 × 25 = 2.500.000 CHF

Hier sprechen wir bereits von gehobenem Schweizer Lebensstandard.


Warum viele die 4-Prozent-Regel falsch verstehen


Die 4-Prozent-Regel bedeutet nicht:


  • Dass dein Kapital nie schwankt

  • Dass du nie weniger entnehmen darfst

  • Dass 4 % garantiert sind


Sie basiert auf historischen Marktdaten mit globaler Diversifikation und langfristigem Anlagehorizont.


In der Praxis solltest du:


  • Flexibel entnehmen

  • In schwachen Marktjahren reduzieren

  • In starken Jahren Reserven bilden


Viele FIRE-Anhänger in der Schweiz arbeiten heute mit 3–3,5 %, um zusätzliche Sicherheit zu haben.



Die Rolle der Vermögenssteuer in der Schweiz


Ein oft unterschätzter Faktor ist die kantonale Vermögenssteuer. Sie liegt meist zwischen 0,1 % und 0,5 %.


Beispiel: Bei 2 Millionen CHF Vermögen können jährlich 2.000 – 10.000 CHF Vermögenssteuer anfallen.


Das reduziert effektiv deine Netto-Entnahmerate. Deshalb rechnen konservative FIRE-Strategien in der Schweiz oft mit 3,5 % statt 4 %.


Beispielrechnung mit Schweizer Besonderheiten


Angenommen:


  • 1.800.000 CHF Vermögen

  • 3,5 % Entnahmerate

  • 63.000 CHF jährliche Entnahme


Abzüglich Vermögenssteuer (z. B. 6.000 CHF): Bleiben ca. 57.000 CHF netto verfügbar.

Hier zeigt sich:Kanton, Wohnort und Steuerplanung beeinflussen deine reale finanzielle Freiheit massiv.


Risiken der 4-Prozent-Regel in der Schweiz


1. Sequenzrisiko


Wenn du direkt nach einem Börsencrash startest, kann dein Kapital schneller schrumpfen.


2. Hohe Fixkosten


Miete, Krankenkasse, Versicherungen – die Schweiz ist teuer. Wer hier keine Flexibilität hat, erhöht sein Risiko.


3. Lebensdauer


Wer mit 45 in FIRE geht, braucht möglicherweise 40–50 Jahre Kapital.



Wie du dein benötigtes Vermögen reduzierst


Der größte Hebel ist nicht Rendite – sondern Ausgaben.


Jeder gesparte Franken senkt dein benötigtes Vermögen um das 25-Fache.


Beispiel: 5.000 CHF weniger Jahreskosten→ 125.000 CHF weniger notwendiges Vermögen

Frugalismus ist deshalb kein Verzicht, sondern Kapitalhebel.


Ist 1 Million CHF in der Schweiz genug?


Für viele lautet die ehrliche Antwort:Nur mit sehr niedrigen Fixkosten.


Eine Million CHF ergibt bei 4 % Entnahme 40.000 CHF pro Jahr. In ländlichen Regionen machbar. In Zürich mit Familie unrealistisch.


Die Schweiz als FIRE-Land


Die Schweiz ist trotz hoher Kosten attraktiv für FIRE, weil:


  • Kapitalgewinne steuerfrei sind

  • Politische Stabilität hoch ist

  • Inflation moderat war

  • Zugang zu globalen Märkten einfach ist


Das Problem sind nicht Steuern auf Investments –sondern hohe Lebenshaltungskosten.


Fazit: Die 4-Prozent-Regel funktioniert – wenn du realistisch rechnest


Die Formel ist einfach:


Jahresausgaben × 25 = benötigtes Vermögen


Doch in der Schweiz musst du zusätzlich berücksichtigen:


  • Vermögenssteuer

  • Krankenversicherung

  • Wohnkosten

  • Lebensstandard


Realistisch brauchst du:


  • 1 Mio CHF für minimalistisches FIRE

  • 1,5 Mio CHF für durchschnittliches FIRE

  • 2,5 Mio CHF für komfortables FIRE


Die entscheidende Frage ist daher nicht:


„Wie viel Vermögen brauche ich?“


Sondern:


👉 „Wie hoch sind meine echten jährlichen Ausgaben?“

Hast du Fragen zu der Thematik? Dann schreibe uns gern eine Mail an auswandernschweiz.ch@gmail.com

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