4-Prozent-Regel in der Schweiz: Wie viel Vermögen brauchst du wirklich zum Leben?
- Roman Welzk
- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Die sogenannte 4-Prozent-Regel ist eines der bekanntesten Konzepte aus der FIRE-Bewegung (Financial Independence, Retire Early). Sie beantwortet eine zentrale Frage:
Wie groß muss mein Vermögen sein, damit ich dauerhaft davon leben kann?
Doch funktioniert die 4-Prozent-Regel auch in der Schweiz – einem der teuersten Länder der Welt? Und wie viel Vermögen brauchst du konkret, um hier finanziell unabhängig zu sein?
Was ist die 4-Prozent-Regel?
Die 4-Prozent-Regel besagt:
Wenn du jährlich 4 % deines investierten Vermögens entnimmst, sollte dein Kapital mit hoher Wahrscheinlichkeit 30 Jahre oder länger halten – vorausgesetzt, es ist breit diversifiziert investiert (z. B. in globale Aktienmärkte).
Die Grundformel lautet:
Benötigtes Vermögen = Jahresausgaben × 25
Warum 25? Weil 1 ÷ 0,04 = 25.
Wenn du also 60.000 CHF pro Jahr brauchst, benötigst du:
60.000 × 25 = 1.500.000 CHF Vermögen
Das ist die mathematische Grundlage.
Funktioniert die 4-Prozent-Regel in der Schweiz?
Kurzantwort: Ja – aber nur mit Anpassungen.
Die Schweiz unterscheidet sich in mehreren Punkten von den USA, wo die Regel ursprünglich entwickelt wurde:
Hohe Lebenshaltungskosten
Starke Währung (CHF)
Niedrige Inflation historisch
Steuerfreiheit privater Kapitalgewinne
Vermögenssteuer (kantonal unterschiedlich)
Gerade die Steuerfreiheit von Kapitalgewinnen ist ein enormer Vorteil. In vielen Ländern reduziert die Steuer die Entnahmemöglichkeit erheblich – in der Schweiz bleibt dieser Hebel bestehen.

Wie viel Vermögen brauchst du konkret in der Schweiz?
Das hängt ausschließlich von deinen jährlichen Ausgaben ab – nicht vom Durchschnitt, nicht vom Nachbarn, sondern von deinem Lebensstil.
Hier realistische Szenarien:
Minimalistischer Lebensstil (Frugalismus)
Jahresausgaben: 40.000 CHF - Benötigtes Vermögen:40.000 × 25 = 1.000.000 CHF
Das ist die untere Schwelle für eine sehr schlanke Lebensweise außerhalb teurer Stadtzentren.
Durchschnittlicher Lebensstil (Single oder Paar ohne Kinder)
Jahresausgaben: 60.000 CHF - Benötigtes Vermögen:60.000 × 25 = 1.500.000 CHF
Das ist für viele urbane Haushalte realistischer.
Komfortabler Lebensstil (Familie oder hohe Fixkosten)
Jahresausgaben: 100.000 CHF - Benötigtes Vermögen:100.000 × 25 = 2.500.000 CHF
Hier sprechen wir bereits von gehobenem Schweizer Lebensstandard.
Warum viele die 4-Prozent-Regel falsch verstehen
Die 4-Prozent-Regel bedeutet nicht:
Dass dein Kapital nie schwankt
Dass du nie weniger entnehmen darfst
Dass 4 % garantiert sind
Sie basiert auf historischen Marktdaten mit globaler Diversifikation und langfristigem Anlagehorizont.
In der Praxis solltest du:
Flexibel entnehmen
In schwachen Marktjahren reduzieren
In starken Jahren Reserven bilden
Viele FIRE-Anhänger in der Schweiz arbeiten heute mit 3–3,5 %, um zusätzliche Sicherheit zu haben.
Die Rolle der Vermögenssteuer in der Schweiz
Ein oft unterschätzter Faktor ist die kantonale Vermögenssteuer. Sie liegt meist zwischen 0,1 % und 0,5 %.
Beispiel: Bei 2 Millionen CHF Vermögen können jährlich 2.000 – 10.000 CHF Vermögenssteuer anfallen.
Das reduziert effektiv deine Netto-Entnahmerate. Deshalb rechnen konservative FIRE-Strategien in der Schweiz oft mit 3,5 % statt 4 %.
Beispielrechnung mit Schweizer Besonderheiten
Angenommen:
1.800.000 CHF Vermögen
3,5 % Entnahmerate
63.000 CHF jährliche Entnahme
Abzüglich Vermögenssteuer (z. B. 6.000 CHF): Bleiben ca. 57.000 CHF netto verfügbar.
Hier zeigt sich:Kanton, Wohnort und Steuerplanung beeinflussen deine reale finanzielle Freiheit massiv.
Risiken der 4-Prozent-Regel in der Schweiz
1. Sequenzrisiko
Wenn du direkt nach einem Börsencrash startest, kann dein Kapital schneller schrumpfen.
2. Hohe Fixkosten
Miete, Krankenkasse, Versicherungen – die Schweiz ist teuer. Wer hier keine Flexibilität hat, erhöht sein Risiko.
3. Lebensdauer
Wer mit 45 in FIRE geht, braucht möglicherweise 40–50 Jahre Kapital.
Wie du dein benötigtes Vermögen reduzierst
Der größte Hebel ist nicht Rendite – sondern Ausgaben.
Jeder gesparte Franken senkt dein benötigtes Vermögen um das 25-Fache.
Beispiel: 5.000 CHF weniger Jahreskosten→ 125.000 CHF weniger notwendiges Vermögen
Frugalismus ist deshalb kein Verzicht, sondern Kapitalhebel.
Ist 1 Million CHF in der Schweiz genug?
Für viele lautet die ehrliche Antwort:Nur mit sehr niedrigen Fixkosten.
Eine Million CHF ergibt bei 4 % Entnahme 40.000 CHF pro Jahr. In ländlichen Regionen machbar. In Zürich mit Familie unrealistisch.
Die Schweiz als FIRE-Land
Die Schweiz ist trotz hoher Kosten attraktiv für FIRE, weil:
Kapitalgewinne steuerfrei sind
Politische Stabilität hoch ist
Inflation moderat war
Zugang zu globalen Märkten einfach ist
Das Problem sind nicht Steuern auf Investments –sondern hohe Lebenshaltungskosten.
Fazit: Die 4-Prozent-Regel funktioniert – wenn du realistisch rechnest
Die Formel ist einfach:
Jahresausgaben × 25 = benötigtes Vermögen
Doch in der Schweiz musst du zusätzlich berücksichtigen:
Vermögenssteuer
Krankenversicherung
Wohnkosten
Lebensstandard
Realistisch brauchst du:
1 Mio CHF für minimalistisches FIRE
1,5 Mio CHF für durchschnittliches FIRE
2,5 Mio CHF für komfortables FIRE
Die entscheidende Frage ist daher nicht:
„Wie viel Vermögen brauche ich?“
Sondern:
👉 „Wie hoch sind meine echten jährlichen Ausgaben?“
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