„An der Börse wirst du verlieren“ – Warum dieser Mythos so hartnäckig ist (und falsch)
- Roman Welzk

- vor 2 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
„An der Börse verliert man immer.“
„Die Kleinen zahlen die Gewinne der Großen.“
„Am Ende gewinnt nur die Bank.“
Kaum ein Glaubenssatz hält sich im deutschsprachigen Raum – und besonders in der Schweiz – so hartnäckig wie dieser. Und kaum ein Mythos hat mehr Menschen davon abgehalten, langfristig Vermögen aufzubauen. Dabei ist die Aussage nicht nur verkürzt, sondern in ihrer Pauschalität schlicht falsch.
Die entscheidende Wahrheit lautet: 👉 Nicht die Börse sorgt für Verluste – sondern Verhalten, Erwartungen und Unwissen.
Woher der Mythos stammt
Der Mythos vom sicheren Verlust an der Börse hat mehrere Quellen, die sich gegenseitig verstärken.
Erstens berichten Medien bevorzugt über Crashs, Panik und Einbrüche. Schlagzeilen entstehen nicht durch langweilige 7 % Rendite pro Jahr, sondern durch Dramatik. Wer nur diese Perspektive kennt, entwickelt zwangsläufig Angst.
Zweitens haben viele Menschen tatsächlich Geld an der Börse verloren – allerdings meist nicht durch langfristiges Investieren, sondern durch Spekulation, Timing-Versuche oder Einzelwetten. Diese Verluste werden dann verallgemeinert.
Drittens wirkt die Börse abstrakt. Man sieht keine Fabriken, keine Produkte, keine Arbeit – nur Kurse. Was man nicht versteht, erscheint gefährlich.
Die unbequeme Wahrheit: Die Börse ist kein Casino
Der zentrale Denkfehler lautet, die Börse mit Glücksspiel gleichzusetzen. In einem Casino ist das Spiel mathematisch gegen dich konstruiert. An der Börse hingegen investierst du in produktive Unternehmen, die reale Werte schaffen.
Aktien sind keine Zettel mit Zahlen – sie sind Beteiligungen an:
Unternehmen
Innovation
Produktivität
wirtschaftlichem Wachstum
Langfristig wächst die Weltwirtschaft. Unternehmen passen Preise an, entwickeln neue Produkte, steigern Effizienz. Genau an diesem Prozess bist du beteiligt, wenn du investierst.
Wer sagt „An der Börse verlierst du immer“, behauptet implizit, dass die globale Wirtschaft langfristig scheitert. Historisch ist dafür kein belastbarer Beleg zu finden.
Warum viele trotzdem verlieren – und dann recht behalten wollen
Der Mythos hält sich, weil viele Menschen tatsächlich verlieren. Aber nicht wegen der Börse, sondern wegen typischer Fehler:
Sie steigen euphorisch nach starken Kursanstiegen ein
sie verkaufen panisch in Krisen
sie setzen auf Einzelaktien ohne Risikostreuung
sie erwarten schnelle Gewinne
sie investieren Geld, das sie kurzfristig brauchen
Kurz gesagt: Sie verhalten sich emotional, nicht strategisch.
Die Börse bestraft Ungeduld, Gier und Angst – aber sie belohnt Zeit, Disziplin und Demut.
Zeit ist der entscheidende Faktor – nicht Intelligenz
Ein oft übersehener Punkt:Langfristiger Börsenerfolg hat weniger mit Wissen zu tun als mit Durchhaltevermögen.
Über Zeiträume von 15, 20 oder 30 Jahren war der Aktienmarkt historisch immer positiv, trotz:
Weltkriegen
Finanzkrisen
Pandemien
Inflation
politischen Umbrüchen
Kurzfristig ist alles möglich. Langfristig ist die Richtung erstaunlich stabil.
Wer verliert, ist meist nicht zu dumm – sondern zu kurzfristig.
Warum gerade in der Schweiz dieser Mythos schadet
In der Schweiz ist der Schaden dieses Glaubenssatzes besonders groß. Denn die Rahmenbedingungen sind außergewöhnlich günstig:
stabile Wirtschaft
starke Währung
steuerfreie private Kapitalgewinne
hoher Zugang zu globalen Märkten
vergleichsweise hohe Sparfähigkeit
Paradoxerweise lassen viele Menschen ihr Geld lieber jahrelang unverzinst liegen – und verlieren damit garantiert Kaufkraft durch Inflation – als kontrollierte Marktschwankungen auszuhalten.
Das führt zur absurden Situation, dass aus Angst vor Verlust ein realer, sicherer Verlust akzeptiert wird.
Wer gewinnt wirklich an der Börse?
Nicht der Schnellste.Nicht der Lauteste.Nicht der mit den heißesten Tipps.
Sondern:
der Geduldige
der Langfristige
der Systematische
Menschen, die regelmäßig investieren, breit streuen und sich selbst aus dem Weg gehen, gehören langfristig zu den Gewinnern – nicht trotz, sondern wegen der Börse.
Das ist kein Geheimwissen. Es ist nur langweilig. Und genau deshalb wird es selten erzählt.
Der eigentliche Mythos: Verlust ist unvermeidbar
Der wahre Mythos lautet nicht „An der Börse wirst du verlieren“, sondern: 👉 „Verluste sind Schicksal.“
In Wirklichkeit sind sie meist die Folge von:
falschen Erwartungen
mangelnder Strategie
emotionalem Handeln
Die Börse ist kein Ort der Sicherheit – aber sie ist auch kein Ort des systematischen Betrugs an Kleinanlegern. Sie ist ein Spiegel menschlichen Verhaltens.
Fazit: Die Börse ist neutral – du entscheidest
Die Börse ist weder dein Feind noch dein Freund. Sie ist ein Werkzeug. Und wie jedes Werkzeug kann sie schaden oder nützen – je nachdem, wie man sie benutzt.
Wer kurzfristige Gewinne sucht, wird oft verlieren.Wer langfristig investiert, breit streut und ruhig bleibt, hat statistisch hervorragende Chancen zu gewinnen.
Der Satz „An der Börse wirst du verlieren“ sagt daher meist mehr über die Erfahrungen – oder Ängste – des Sprechers aus als über die Realität der Märkte.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob man an der Börse verliert, sondern:Ob man bereit ist, langfristig zu denken.
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