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ETF-Entnahmeplan Schweiz: Geld aus dem Depot auszahlen und Risiken begrenzen

vor 2 Stunden
7 Min. Lesezeit

Wer aus einem ETF-Depot regelmässig Geld beziehen möchte, steht vor anderen Entscheidungen als in der Ansparphase. Du musst nicht nur überlegen, wie hoch Deine Entnahme sein darf, sondern auch, welche Anlagen Du verkaufst, wie Du die Liquidität für laufende Ausgaben bereitstellst und was bei einem Börseneinbruch passiert. Ein Entnahmeplan ist deshalb mehr als ein monatlicher Dauerauftrag. Er verbindet Budget, Anlageaufteilung, Steuerunterlagen und ein bewusstes Risikomanagement. Dieser Leitfaden zeigt Dir die wichtigsten Schritte für ein frei verfügbares Wertschriftendepot in der Schweiz.

Werbehinweis: Im Artikel ist ein gekennzeichneter Partnerlink zu findependent enthalten. Wenn Du darüber ein Angebot abschliesst, können wir eine Provision erhalten. Die redaktionellen Rechenbeispiele sind unabhängig davon und stellen keine individuelle Anlageberatung dar. Ein ETF-Depot unterliegt Kursschwankungen und kann erhebliche Verluste erleiden.

Was ist ein ETF-Entnahmeplan?

Bei einem ETF-Entnahmeplan verkaufst Du in bestimmten Abständen Fondsanteile oder nutzt vorhandene Ausschüttungen und Barbestände, um Ausgaben zu finanzieren. Anders als bei einer garantierten Rente ist die Höhe Deines verbleibenden Vermögens nicht sicher. Deine Anlagewerte verändern sich täglich, Ausschüttungen schwanken und zukünftige Renditen sind unbekannt. Auch ein breit gestreuter ETF kann über mehrere Jahre im Minus liegen. Ein geplanter Entnahmebetrag ist deshalb eine Budgetentscheidung und keine garantierte Auszahlung des Anbieters.

Du kannst monatlich, quartalsweise oder nach Bedarf verkaufen. Häufig ist es sinnvoll, die Lebenshaltungskosten aus einem separaten Zahlungskonto zu begleichen und nur periodisch Geld vom Depot dorthin zu übertragen. So musst Du nicht bei jeder Rechnung einen ETF-Verkauf auslösen. Die konkrete Wahl hängt von Deinen Ausgaben, den Handelskosten und der Möglichkeit ab, Guthaben zwischen Depot und Bankkonto zu verschieben.

Die zentrale Gefahr: schlechte Renditen am Anfang

Zwei Portfolios können über zehn Jahre dieselbe durchschnittliche Rendite erzielen und dennoch sehr unterschiedlich enden, wenn Du während dieser Zeit regelmässig Geld entnimmst. Der Grund ist die Reihenfolge der Renditen, häufig Sequence-of-Returns-Risiko genannt. Fallen die Kurse früh stark, musst Du für dieselbe Auszahlung mehr Fondsanteile verkaufen. Diese Anteile können an einer späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Verluste am Anfang der Entnahmephase können deshalb besonders schwer wiegen.

Ein stark vereinfachtes Beispiel zeigt die Mechanik. Du besitzt 100 ETF-Anteile zu je 100 Franken, insgesamt 10'000 Franken. Für eine Auszahlung von 1'000 Franken verkaufst Du zehn Anteile. Sinkt der Kurs dagegen zuvor auf 80 Franken, brauchst Du für dieselben 1'000 Franken bereits 12,5 Anteile; bei handelbaren ganzen Anteilen müsste der Verkauf entsprechend gerundet werden. Die restlichen Anteile sind dann geringer. Dieses Beispiel ignoriert Steuern, Gebühren und Ausschüttungen, macht aber deutlich, warum ein fixer Frankenbetrag bei fallenden Kursen mehr Substanz verbraucht.

Fixe Entnahme oder variable Auszahlung?

Bei einer fixen Entnahme bestimmst Du einen Frankenbetrag, beispielsweise 1'500 Franken monatlich. Das erleichtert die Haushaltsplanung, kann aber in schwachen Marktphasen besonders viele Verkäufe erzwingen. Eine variable Entnahme orientiert sich dagegen am aktuellen Depotwert, beispielsweise an einem festgelegten Prozentsatz. Dann sinkt die Auszahlung bei Kursverlusten und steigt bei Kursgewinnen. Das schont möglicherweise die Substanz, erschwert jedoch die Planung von Miete, Krankenkassenprämien und anderen Fixkosten.

Eine dritte Möglichkeit kombiniert einen Grundbetrag mit flexiblen Zusatzausgaben. Notwendige Kosten deckst Du aus regelmässigen Einkünften, Liquidität oder konservativ geplanten Entnahmen; grössere Reisen oder freiwillige Anschaffungen verschiebst Du bei schwachen Märkten. Das setzt voraus, dass Du zwischen zwingenden und verschiebbaren Ausgaben unterscheiden kannst. Keine der Methoden garantiert, dass Dein Vermögen ein bestimmtes Alter erreicht.

Rechenbeispiel mit 300'000 Franken Depotvermögen

Angenommen, Dein frei verfügbares Depot beträgt 300'000 Franken und Du planst im ersten Jahr eine Auszahlung von 9'000 Franken. Das entspricht anfänglich 3 Prozent des Depotwerts oder 750 Franken monatlich. Die 3 Prozent sind hier eine frei gewählte Modellannahme, keine allgemein sichere Entnahmerate. Sinkt das Depot vor weiteren Entnahmen um 20 Prozent auf 240'000 Franken, wären dieselben 9'000 Franken bereits 3,75 Prozent des neuen Depotwerts. Bei einem Depot von 200'000 Franken entsprächen sie 4,5 Prozent. Die Belastung steigt, wenn Du den absoluten Betrag unverändert lässt.

Wenn Du stattdessen jährlich 3 Prozent des jeweils aktuellen Depotwerts entnimmst, ergäben sich bei 240'000 Franken nur noch 7'200 Franken für das Folgejahr. Die finanzielle Flexibilität steigt, doch Dein verfügbares Einkommen sinkt. Bei beiden Varianten sind Inflation, zusätzliche Einzahlungen, andere Einkünfte, Depotgebühren und mögliche Steuerfolgen gesondert zu berücksichtigen. Eine einzelne Prozentzahl ersetzt keine langfristige Finanzplanung.

Wie gross sollte die Liquiditätsreserve sein?

Ein kurzfristiger Barbestand kann verhindern, dass Du bei jeder kleinen Ausgabe Wertschriften verkaufen musst. Wie gross er sein sollte, hängt von Deinem übrigen Einkommen, Deiner Ausgabensicherheit, Deiner Risikotoleranz und Deiner gesamten Vermögensstruktur ab. Es gibt keinen für alle richtigen Betrag. Wenn Du beispielsweise die nächsten zwölf Monate mit 1'000 Franken monatlichen Depotentnahmen finanzieren willst, wären rechnerisch 12'000 Franken liquide Mittel nötig. Dieser Betrag ist keine Empfehlung für eine bestimmte Cashquote, sondern die Multiplikation eines geplanten Bedarfs.

Zu viel Liquidität hat ebenfalls Nachteile. Bankguthaben können durch Inflation an Kaufkraft verlieren und erzielen nicht zwangsläufig eine Rendite, die mit einem langfristigen Wertschriftenportfolio vergleichbar ist. Zu wenig Liquidität erhöht dagegen das Risiko, bei ungünstigen Börsenkursen verkaufen zu müssen. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus stabilen Einkommensquellen, Notgroschen und planbaren Ausgaben.

Welche ETF-Anteile verkaufst Du zuerst?

Wenn Dein Portfolio aus mehreren Anlageklassen besteht, kannst Du Verkäufe nutzen, um eine übergewichtete Position wieder an Deine Zielaufteilung anzunähern. Beispiel: Du strebst 60 Prozent Aktien und 40 Prozent defensive Anlagen an, hältst aber nach Kursanstiegen 67 Prozent Aktien. Eine Entnahme aus dem Aktienanteil kann gleichzeitig die Liquidität bereitstellen und die Übergewichtung reduzieren. Nach einem starken Aktienrückgang kann dagegen eine Entnahme aus liquiden oder defensiveren Anlagen die Aktienquote weniger stark belasten. Das ist kein automatisches Erfolgsrezept; die langfristige Zielaufteilung muss zu Deiner Risikofähigkeit passen.

Ein häufiger Denkfehler ist, ausschliesslich ETF-Anteile mit Buchgewinnen zu verkaufen und andere Positionen unabhängig von ihrer Gewichtung zu behalten. Für das Risiko zählt das verbleibende Gesamtportfolio, nicht die emotionale Einordnung einzelner Kaufkurse. Ebenso wenig ist es sinnvoll, ausschüttende Fonds allein wegen der Auszahlung als risikofrei zu betrachten. Eine Ausschüttung vermindert den Wert des Fondsvermögens entsprechend und ist keine zusätzliche garantierte Rendite.

Ausschüttende und thesaurierende ETFs in der Entnahmephase

Ein ausschüttender ETF zahlt Erträge regelmässig an das Verrechnungskonto aus, sofern entsprechende Ausschüttungen anfallen. Das kann die Organisation erleichtern. Die Höhe und Häufigkeit sind jedoch nicht garantiert. Ein thesaurierender ETF reinvestiert Erträge im Fonds. Um Geld für Ausgaben zu erhalten, musst Du bei Bedarf Anteile verkaufen. Wirtschaftlich ist die Unterscheidung weniger entscheidend als häufig angenommen: Entscheidend sind die Gesamtrendite, die Kosten, die Steuerbehandlung und Deine gewünschte Portfolioaufteilung.

In der Schweiz sind steuerbare Erträge aus Fonds grundsätzlich auch bei thesaurierenden Fonds relevant. Es wäre deshalb falsch, aus der Wiederanlage automatisch auf Steuerfreiheit zu schliessen. Bei der Steuererklärung können die von der Eidgenössischen Steuerverwaltung publizierten Steuerwerte und Ertragsdaten, etwa über ICTax, hilfreich sein. Die tatsächliche steuerliche Einordnung hängt von Fonds, Wohnsitz, Kontotyp und persönlicher Situation ab.

Schweizer Steuern und Handelskosten berücksichtigen

Für Schweizer Privatvermögen gilt grundsätzlich, dass private Kapitalgewinne auf beweglichem Vermögen steuerfrei sind, sofern keine gewerbsmässige Wertschriftenhandelstätigkeit vorliegt. Dividenden und andere steuerbare Erträge sind dagegen zu deklarieren; Wertschriften gehören grundsätzlich auch in die Vermögenssteuerdeklaration. Ein Verkauf kann ausserdem Transaktionskosten auslösen. Dazu gehören je nach Anbieter Courtagen, Währungsumrechnung, Börsengebühren und gegebenenfalls die eidgenössische Umsatzabgabe. Prüfe die Kosten Deines konkreten Depots.

Wenn Du aus Deutschland in die Schweiz gezogen bist, solltest Du die steuerlichen Systeme nicht vermischen. Die deutsche Besteuerung von Fonds und Kapitalerträgen folgt anderen Regeln. Entscheidend können der steuerliche Wohnsitz, der Zeitpunkt des Wegzugs und die jeweiligen Besteuerungsrechte sein. Bei grenzüberschreitenden Fällen ist eine fachkundige Einzelfallprüfung sinnvoll. Eine pauschale Aussage, alle ETF-Verkäufe seien für jede in der Schweiz lebende Person steuerfrei, wäre unzutreffend.

Depotgebühren und Anbieterwahl

Ein ETF-Entnahmeplan benötigt nicht zwingend einen Vermögensverwalter. Bei einem Selbstentscheider-Depot steuerst Du Verkäufe und Portfolioaufteilung eigenständig. Das spart möglicherweise Verwaltungsgebühren, kostet aber Zeit und verlangt Disziplin. Ein digitaler Vermögensverwalter kann Portfolioüberwachung und Rebalancing übernehmen. Prüfe vor der Wahl, ob regelmässige Auszahlungen technisch und wirtschaftlich sinnvoll möglich sind und welche Kosten beim Verkauf oder bei der Überweisung anfallen.

findependent bietet nach eigenen Angaben ETF-basierte Anlagelösungen mit automatischer Überwachung und Rebalancing. Die offizielle Gebührenübersicht beschreibt laufende Verwaltungs- und Depotgebühren sowie zusätzliche ETF-Kosten und mögliche transaktionsabhängige Kosten. Das Produkt ist nicht mit einer garantierten Leibrente oder einer zugesicherten monatlichen Auszahlung zu verwechseln. Ob die Lösung für Deinen geplanten Entnahmeprozess geeignet ist, musst Du anhand der aktuellen Bedingungen und Funktionen prüfen.

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Wenn Du eine verwaltete ETF-Anlagelösung in Betracht ziehst, kannst Du die aktuellen Konditionen und die Auszahlungsfunktionen direkt beim Anbieter prüfen. Der Partnerlink ist Werbung. Für das allgemeine freie Depot geben wir bewusst keinen ungeprüften individuellen Bonuscode an. Der separate 3a-Code darf nicht automatisch auf das freie Anlagekonto übertragen werden. Beachte die laufenden Gebühren und das Verlustrisiko.

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Was Du vor der ersten Auszahlung vorbereitest

Erstelle zuerst ein Budget, das zwischen fixen und variablen Ausgaben unterscheidet. Halte fest, welche anderen Einkünfte Du erwartest und welche Ausgaben bereits durch Lohn, AHV, Pensionskasse oder andere Quellen gedeckt sind. Lege danach fest, wie viel Liquidität Du benötigst und wie oft Du Dein Portfolio überprüfen willst. Prüfe den Zeitpunkt von Steuern, Versicherungsprämien und grösseren Rechnungen, denn ein Depotwert auf dem Bildschirm ist noch kein frei verfügbares Kontoguthaben.

Dokumentiere ausserdem, nach welcher Regel Du bei starken Kursverlusten reagierst. Willst Du freiwillige Ausgaben vorübergehend reduzieren, die Entnahmequote neu berechnen oder einen separaten Liquiditätspuffer nutzen? Die Entscheidung fällt in ruhigen Marktphasen meist leichter als mitten in einem Kurssturz. Plane auch, wer im Krankheitsfall oder bei fehlender Handlungsfähigkeit Zugriff auf notwendige Unterlagen und Vollmachten hat.

Häufige Fragen zum ETF-Entnahmeplan

Ist eine Entnahme von vier Prozent immer sicher?

Nein. Eine historische Faustregel ist keine Garantie für ein bestimmtes Land, einen bestimmten Anlagehorizont oder die zukünftige Marktentwicklung. Gebühren, Inflation, Steuern und die Reihenfolge der Renditen können das Ergebnis stark verändern.

Kann ich nur die Dividenden ausgeben?

Du kannst Ausschüttungen als Teil Deiner Liquidität nutzen. Ihre Höhe ist aber nicht garantiert, und die Auswahl besonders ausschüttungsstarker Fonds kann Dein Portfolio konzentrieren. Ein Gesamtportfolio-Ansatz ist häufig aussagekräftiger als die isolierte Dividendenrendite.

Soll ich monatlich oder jährlich ETF-Anteile verkaufen?

Das hängt von Deinem Budget, Deinem Barbestand und den Gebühren ab. Seltene Verkäufe können Transaktionskosten reduzieren, während regelmässige Verkäufe die Liquiditätsplanung erleichtern. Ein allgemeingültiges Optimum gibt es nicht.

Gilt der Plan auch für die Säule 3a?

Nicht unverändert. Die Säule 3a ist gebundene Vorsorge und hat besondere gesetzliche Bezugsvoraussetzungen. Ein frei verfügbares Depot und ein 3a-Vorsorgekonto müssen getrennt betrachtet werden.

Fazit

Ein guter ETF-Entnahmeplan beginnt nicht mit einer vermeintlich magischen Prozentzahl, sondern mit Deinen tatsächlichen Ausgaben, einer passenden Risikoverteilung und klaren Regeln für schwierige Börsenphasen. Plane ausreichend Liquidität, prüfe die Gesamtkosten und unterscheide konsequent zwischen frei verfügbarem Vermögen und gebundener Vorsorge. So wird aus einer zufälligen Reihe von Verkäufen ein nachvollziehbarer Prozess, ohne dass Du eine sichere Rendite oder lebenslange Auszahlung voraussetzen musst.

Quellen und weiterführende Literatur

Eidgenössische Steuerverwaltung, Steuerinformationen und ICTax: https://www.estv.admin.ch/

FINMA, Informationen zu Anlagerisiken und Finanzdienstleistern: https://www.finma.ch/

findependent, offizielle Gebührenübersicht und Rebalancing: https://www.findependent.ch/gebuehren

findependent, Vergleich Selbstverwaltung und Vermögensverwaltung: https://www.findependent.ch/en/broker-or-asset-manager

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