Lohnverteilung in der Schweiz: Wer verdient wie viel?
- Roman Welzk

- vor 1 Tag
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Das Wichtigste zur Lohnverteilung in der Schweiz
Die Schweiz gilt international als Hochlohnland, aber die Löhne sind sehr ungleich verteilt. Der Medianlohn einer Vollzeitstelle lag 2024 bei 7’024 Franken brutto pro Monat. Das bedeutet: Die eine Hälfte der Arbeitnehmenden verdiente weniger, die andere Hälfte mehr. Die untersten 10 Prozent der Arbeitnehmenden verdienten weniger als 4’635 Franken brutto pro Monat, während die obersten 10 Prozent mehr als 12’526 Franken brutto pro Monat erhielten.
Wichtig ist: Diese Zahlen beziehen sich auf standardisierte Bruttomonatslöhne für Vollzeitstellen beziehungsweise Vollzeitäquivalente. Die Lohnstrukturerhebung rechnet Löhne auf eine einheitliche Arbeitszeit von 4 1/3 Wochen zu 40 Stunden um, damit Vollzeit- und Teilzeitstellen vergleichbar sind.
Was bedeutet Medianlohn?
Der Medianlohn ist oft aussagekräftiger als der Durchschnittslohn, weil sehr hohe Einkommen den Durchschnitt stark nach oben ziehen können. Beim Median liegt genau die Hälfte der Löhne darunter und die andere Hälfte darüber. Wenn der Medianlohn in der Schweiz 7’024 Franken brutto pro Monat beträgt, heisst das nicht, dass die meisten Menschen exakt diesen Betrag verdienen. Es bedeutet nur, dass dieser Wert die Mitte der Lohnverteilung markiert.
Gerade bei der Schweiz ist diese Unterscheidung wichtig. In Branchen wie Banken, Pharma, Forschung oder Versicherungen gibt es sehr hohe Löhne und Boni. Gleichzeitig arbeiten viele Menschen im Detailhandel, in der Gastronomie, in der Beherbergung oder in persönlichen Dienstleistungen deutlich unter dem Schweizer Medianlohn.
Die Schweizer Lohnpyramide: Unten, Mitte und oben
Die Lohnverteilung in der Schweiz lässt sich vereinfacht in drei Bereiche einteilen. Am unteren Rand stehen Arbeitnehmende mit weniger als rund 4’600 bis 4’700 Franken brutto pro Monat. In der Mitte liegt der Medianbereich um 7’024 Franken. Am oberen Rand beginnt das oberste Zehntel bei mehr als 12’526 Franken brutto pro Monat.
Das Bundesamt für Statistik spricht bei einer Vollzeitstelle mit weniger als 4’683 Franken brutto pro Monat von einer Tieflohnstelle. 2024 lag der Anteil der Tieflohnstellen in der Schweiz bei 10,8 Prozent. Der Anteil hat sich seit 2008 nur wenig verändert und bewegte sich zwischen 10,2 und 11,7 Prozent.
Auffällig ist, dass die Lohnpyramide über viele Jahre relativ stabil geblieben ist. Zwischen 2008 und 2024 stiegen die Löhne der untersten 10 Prozent um 18,1 Prozent, jene der obersten 10 Prozent um 16,8 Prozent und die Löhne in der Mitte um 15,4 Prozent.
Lohnverteilung nach Branchen
Die Branche ist einer der wichtigsten Faktoren für die Lohnhöhe in der Schweiz. Besonders hohe Medianlöhne gibt es in wertschöpfungsstarken Branchen. 2024 lag der Medianlohn in der Tabakindustrie bei 14’304 Franken, bei Banken bei 10’723 Franken, in der Pharmaindustrie bei 10’159 Franken und in Forschung und Entwicklung bei 9’139 Franken brutto pro Monat.
Im mittleren Bereich lagen zum Beispiel die Maschinenindustrie mit 7’632 Franken, der Grosshandel mit 7’478 Franken, die Luftfahrt mit 7’134 Franken, das Baugewerbe mit 6’616 Franken sowie die Metallerzeugung und -bearbeitung mit 6’279 Franken brutto pro Monat.
Deutlich tiefer waren die Löhne in klassischen Niedriglohnbranchen. Der Medianlohn lag 2024 bei persönlichen Dienstleistungen bei 4’496 Franken, in der Beherbergung bei 4’715 Franken, in der Gastronomie bei 4’744 Franken und im Detailhandel bei 5’214 Franken brutto pro Monat.
Besonders hoch ist der Anteil der Tieflohnstellen in persönlichen Dienstleistungen mit 56,3 Prozent, in der Beherbergung mit 48,7 Prozent, in der Gastronomie mit 47,8 Prozent, in der Luftfahrt mit 26,3 Prozent und im Detailhandel mit 24,6 Prozent. Bei Banken lag der Anteil der Tieflohnstellen dagegen nur bei 0,6 Prozent, bei Versicherungen bei 0,8 Prozent und in der öffentlichen Verwaltung bei 1,4 Prozent.
Lohnverteilung nach Regionen
Auch der Arbeitsort hat einen grossen Einfluss auf die Lohnhöhe. Der Schweizer Medianlohn lag 2024 bei 7’024 Franken brutto pro Monat. In der Region Zürich betrug der Medianlohn 7’502 Franken, im Tessin dagegen nur 5’708 Franken.
Am oberen Rand der Lohnverteilung sind die regionalen Unterschiede besonders sichtbar. Die bestbezahlten 10 Prozent verdienten in Zürich mehr als 13’970 Franken brutto pro Monat, in der Genferseeregion mehr als 12’636 Franken, in der Ostschweiz mehr als 11’030 Franken und im Tessin mehr als 10’012 Franken.
Bei den tiefsten Löhnen sind die regionalen Unterschiede kleiner, aber trotzdem relevant. Die untersten 10 Prozent lagen in Zürich unter 4’761 Franken, in der Genferseeregion unter 4’585 Franken, in der Ostschweiz unter 4’563 Franken und im Tessin unter 3’783 Franken brutto pro Monat.
Die regionalen Unterschiede hängen stark mit der Wirtschaftsstruktur zusammen. Zürich hat viele Banken, Versicherungen, internationale Firmen und hochqualifizierte Dienstleistungsstellen. Das Tessin hat dagegen eine andere Branchenstruktur und ein tieferes Lohnniveau. Das BFS erklärt die regionalen Lohnunterschiede weitgehend mit der räumlichen Konzentration wertschöpfungsstarker Branchen und strukturellen Besonderheiten der regionalen Arbeitsmärkte.
Lohnverteilung nach Ausbildung
Bildung ist ein zentraler Faktor für die Lohnverteilung in der Schweiz. Arbeitnehmende mit Universitätsabschluss verdienten 2024 im Median 10’533 Franken brutto pro Monat. Mit Fachhochschulabschluss lag der Medianlohn bei 9’288 Franken, mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis bei 6’390 Franken.
Gleichzeitig entscheidet nicht nur der Abschluss, sondern auch die Funktion. Eine Person mit Universitätsabschluss verdiente in einer Stelle mit hohem Verantwortungsniveau 14’409 Franken, ohne Verantwortung dagegen 8’645 Franken brutto pro Monat. Bei Personen mit EFZ lag der Medianlohn mit hohem Verantwortungsniveau bei 8’252 Franken, ohne Kaderfunktion bei 6’162 Franken.
Das zeigt: Ausbildung öffnet Türen, aber Verantwortung, Branche, Funktion und Unternehmensgrösse entscheiden stark darüber, wo jemand innerhalb der Lohnverteilung landet.
Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern
Der Gender Pay Gap ist in der Schweiz weiter zurückgegangen, bleibt aber sichtbar. 2024 betrug das mediane Lohngefälle zwischen Frauen und Männern in der Gesamtwirtschaft 8,4 Prozent. 2022 lag es noch bei 9,5 Prozent, 2020 bei 10,8 Prozent und 2018 bei 11,5 Prozent.
Je höher die berufliche Stellung, desto grösser fällt die Lohnlücke aus. In Stellen mit hohem Verantwortungsniveau verdienten Frauen 2024 im Median 10’077 Franken, Männer dagegen 11’715 Franken brutto pro Monat. Das entspricht einer Differenz von 14,0 Prozent. Bei Stellen ohne Kaderfunktion lag die Differenz bei 5,2 Prozent.
Auch die Verteilung innerhalb der Lohnklassen ist ungleich. Bei Vollzeitbruttolöhnen unter 4’500 Franken waren 2024 62,0 Prozent Frauen und 38,0 Prozent Männer vertreten. Bei Löhnen über 16’000 Franken pro Monat waren dagegen 74,9 Prozent Männer und 25,1 Prozent Frauen vertreten.
Ein Teil dieser Unterschiede hängt mit Ausbildung, Branche, beruflicher Stellung, Beschäftigungsgrad und Verantwortungsniveau zusammen. Die OECD weist zusätzlich darauf hin, dass die hohe Teilzeitquote von Frauen, insbesondere von Müttern, in der Schweiz wesentlich zum Gender Income Gap beiträgt. Hohe Kinderbetreuungskosten und steuerliche Anreize können Zweitverdienende davon abhalten, ihr Pensum zu erhöhen.
Löhne von Schweizer und ausländischen Arbeitnehmenden
Die Lohnverteilung unterscheidet sich auch nach Aufenthaltsstatus. Bei Stellen mit hohem Verantwortungsniveau verdienten ausländische Arbeitnehmende 2024 teilweise mehr als Schweizer Arbeitnehmende. Grenzgängerinnen und Grenzgänger mit G-Ausweis lagen bei 11’207 Franken, Personen mit C-Ausweis bei 11’966 Franken, Personen mit B-Ausweis bei 13’090 Franken und Schweizer Arbeitnehmende bei 10’989 Franken brutto pro Monat.
Bei Stellen ohne Führungsverantwortung war es umgekehrt. Schweizer Arbeitnehmende ohne Kaderfunktion verdienten im Median 6’765 Franken, Personen mit B-Ausweis 5’421 Franken, Personen mit C-Ausweis 6’034 Franken und Grenzgängerinnen und Grenzgänger mit G-Ausweis 5’950 Franken brutto pro Monat.
Diese Zahlen sollten nicht als einfache Aussage „Ausländer verdienen mehr oder weniger“ gelesen werden. Entscheidend ist, in welchen Branchen, Funktionen und Qualifikationsniveaus die Personen arbeiten. Gerade bei hochqualifizierten internationalen Fachkräften können Löhne deutlich über dem Median liegen.
13. Monatslohn und Boni
Zur Schweizer Lohnrealität gehört auch der 13. Monatslohn. 2024 erhielten 75,9 Prozent der Arbeitnehmenden einen 13. Monatslohn. Gleichzeitig zahlten 27,9 Prozent der Unternehmen gar keinen 13. Monatslohn aus.
Auch Boni spielen eine wichtige Rolle, vor allem im oberen Teil der Lohnverteilung. 2024 erhielt rund ein Drittel der Arbeitnehmenden einen Bonus. Der durchschnittliche Jahresbonus lag bei 11’967 Franken. Besonders hohe Boni wurden im oberen Kader in Banken, Grosshandel, Informatik sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen ausbezahlt.
Für Lohnvergleiche ist deshalb wichtig, nicht nur den Monatslohn zu betrachten. Ein Monatslohn von 7’000 Franken mit 13. Monatslohn entspricht einem anderen Jahreseinkommen als 7’000 Franken ohne 13. Monatslohn. Ebenso können Boni die effektive Gesamtvergütung stark verändern.
Gibt es in der Schweiz einen Mindestlohn?
Die Schweiz kennt keinen landesweiten gesetzlichen Mindestlohn. Es gibt jedoch kantonale Mindestlöhne und Mindestlöhne in Gesamtarbeitsverträgen oder Normalarbeitsverträgen. Auf kantonaler Ebene gelten Mindestlöhne unter anderem in Neuenburg, Jura, Tessin, Genf und Basel-Stadt.
Für die Lohnverteilung bedeutet das: Der untere Rand der Löhne wird in der Schweiz nicht durch einen nationalen Mindestlohn bestimmt, sondern durch eine Mischung aus Markt, Gesamtarbeitsverträgen, kantonalen Regeln, Branchenstruktur und Qualifikation. Das erklärt, warum Tieflohnstellen besonders in Branchen wie Gastronomie, Beherbergung, Detailhandel und persönlichen Dienstleistungen häufig sind.
Warum sind die Löhne in der Schweiz so unterschiedlich?
Die Lohnverteilung in der Schweiz wird vor allem durch sechs Faktoren geprägt: Branche, Region, Ausbildung, berufliche Stellung, Verantwortungsniveau und Geschlecht. Besonders hohe Löhne entstehen dort, wo hohe Wertschöpfung, internationale Märkte, Fachkräftemangel und hohe Qualifikationsanforderungen zusammenkommen. Das betrifft zum Beispiel Banken, Pharma, Forschung, Informatik, Versicherungen und spezialisierte Industrien.
Tiefe Löhne finden sich häufiger in arbeitsintensiven Dienstleistungen, bei Tätigkeiten mit geringeren formalen Qualifikationsanforderungen und in Branchen mit hohem Wettbewerbsdruck. Dazu gehören persönliche Dienstleistungen, Gastronomie, Beherbergung und Detailhandel.
Was ist ein guter Lohn in der Schweiz?
Ein guter Lohn hängt stark von Wohnort, Beruf, Branche, Berufserfahrung und Lebenssituation ab. Rein statistisch liegt ein Lohn über 7’024 Franken brutto pro Monat über dem Schweizer Median. Wer mehr als 12’526 Franken brutto pro Monat verdient, gehört gemäss Lohnverteilung zu den obersten 10 Prozent der Arbeitnehmenden.
Für Zürich, Genf, Basel oder Zug braucht es wegen Mieten, Krankenkassenprämien und Lebenshaltungskosten oft einen höheren Lohn als in ländlicheren Regionen. Deshalb sollte man Schweizer Löhne nie isoliert betrachten, sondern immer zusammen mit Steuern, Sozialabgaben, Krankenkasse, Miete, Kinderbetreuung und Pendelkosten.
Wer seinen Lohn realistisch einschätzen möchte, sollte nicht nur den Schweizer Medianlohn verwenden, sondern auch Branche, Region, Beruf, Ausbildung, Alter, Funktion und Verantwortungsniveau berücksichtigen. Der offizielle statistische Lohnrechner Salarium des BFS ermöglicht für ein konkretes Profil eine Schätzung des monatlichen Bruttolohns und der Lohnstreuung.
Fazit: Die Schweiz ist ein Hochlohnland, aber kein Einheitslohnland
Die Schweiz hat hohe Löhne, aber die Lohnverteilung ist breit. Der Medianlohn von 7’024 Franken brutto pro Monat zeigt nur die Mitte. Am unteren Rand verdienen 10 Prozent weniger als 4’635 Franken, während die obersten 10 Prozent mehr als 12’526 Franken brutto pro Monat erhalten.
Wer in der Schweiz arbeitet oder in die Schweiz auswandern möchte, sollte deshalb nicht nur auf Durchschnittswerte schauen. Entscheidend sind Branche, Region, Ausbildung, Funktion, Pensum, Aufenthaltsstatus, 13. Monatslohn, Bonus und Lebenshaltungskosten. Ein Lohn kann auf dem Papier hoch wirken, aber nach Miete, Krankenkasse, Steuern und Kinderbetreuung deutlich weniger Spielraum lassen.
FAQ zur Lohnverteilung in der Schweiz
Wie hoch ist der Medianlohn in der Schweiz?
Der Medianlohn einer Vollzeitstelle in der Schweiz lag 2024 bei 7’024 Franken brutto pro Monat.
Ab welchem Lohn gehört man zu den bestbezahlten 10 Prozent?
Zu den bestbezahlten 10 Prozent gehört man statistisch ab mehr als 12’526 Franken brutto pro Monat.
Wie viel verdienen die untersten 10 Prozent?
Die untersten 10 Prozent der Arbeitnehmenden verdienten 2024 weniger als 4’635 Franken brutto pro Monat.
Was gilt in der Schweiz als Tieflohn?
2024 galt eine Vollzeitstelle mit weniger als 4’683 Franken brutto pro Monat als Tieflohnstelle. Der Anteil der Tieflohnstellen lag bei 10,8 Prozent.
Welche Branchen zahlen in der Schweiz am besten?
Zu den bestbezahlten Branchen gehören unter anderem Banken, Pharmaindustrie, Forschung und Entwicklung sowie Tabakindustrie. 2024 lag der Medianlohn bei Banken bei 10’723 Franken, in der Pharmaindustrie bei 10’159 Franken und in Forschung und Entwicklung bei 9’139 Franken brutto pro Monat.
Welche Branchen zahlen eher tiefe Löhne?
Tiefe Medianlöhne gibt es besonders in persönlichen Dienstleistungen, Beherbergung, Gastronomie und Detailhandel. 2024 lagen persönliche Dienstleistungen bei 4’496 Franken, Beherbergung bei 4’715 Franken, Gastronomie bei 4’744 Franken und Detailhandel bei 5’214 Franken brutto pro Monat.
Wo sind die Löhne in der Schweiz am höchsten?
Unter den Grossregionen lag Zürich 2024 mit einem Medianlohn von 7’502 Franken über dem Schweizer Median. Das Tessin lag mit 5’708 Franken deutlich darunter.
Gibt es in der Schweiz einen nationalen Mindestlohn?
Nein. Die Schweiz kennt keinen landesweiten gesetzlichen Mindestlohn. Es gibt jedoch kantonale Mindestlöhne sowie Mindestlöhne in Gesamtarbeitsverträgen und Normalarbeitsverträgen.
Verdienen Männer und Frauen in der Schweiz gleich viel?
Nein. Das mediane Lohngefälle zwischen Frauen und Männern lag 2024 bei 8,4 Prozent. In Stellen mit hohem Verantwortungsniveau betrug die Differenz 14,0 Prozent.
Welche Quelle ist für Schweizer Löhne am zuverlässigsten?
Die wichtigste amtliche Quelle ist die Schweizerische Lohnstrukturerhebung des Bundesamtes für Statistik. Sie liefert regelmässig Daten zu Medianlöhnen, Branchen, Regionen, Ausbildung, Geschlecht, beruflicher Stellung und Tieflohnstellen.
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