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Wegzugsbesteuerung in Deutschland: Was passiert, wenn du aus Deutschland in die Schweiz auswanderst?

Die Wegzugsbesteuerung ist eines der wichtigsten – und zugleich am meisten unterschätzten – Themen für Menschen, die Deutschland verlassen möchten. Besonders relevant wird sie für Unternehmer, Gesellschafter, Investoren oder vermögende Privatpersonen, die ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, zum Beispiel in die Schweiz.


Viele Auswanderer beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Steuern, Krankenversicherung oder Lebenshaltungskosten. Doch die Wegzugsbesteuerung kann finanziell deutlich gravierendere Auswirkungen haben als all diese Faktoren zusammen. In manchen Fällen entstehen Steuerforderungen in sechs- oder siebenstelliger Höhe – obwohl gar kein Geld geflossen ist.


In diesem ausführlichen Artikel erfährst du verständlich und praxisnah:


  • Was die Wegzugsbesteuerung in Deutschland ist

  • Wann sie greift

  • Wie hoch die Steuer sein kann

  • Was sich durch die Reformen seit 2022 geändert hat

  • Welche Besonderheiten für Auswanderer in die Schweiz gelten

  • Welche legalen Strategien es gibt, um Risiken zu vermeiden





Was ist die Wegzugsbesteuerung in Deutschland?


Die Wegzugsbesteuerung ist eine besondere Steuerregelung im deutschen Steuerrecht. Sie greift, wenn eine Person mit wesentlichen Unternehmensbeteiligungen ihren Wohnsitz ins Ausland verlegt.


Die gesetzliche Grundlage ist:


§ 6 Außensteuergesetz (AStG)


Die Idee dahinter ist einfach:


Deutschland möchte verhindern, dass Personen mit hohen Unternehmenswerten ins Ausland ziehen und dort ihre Anteile steuerfrei verkaufen.


Deshalb wird beim Wegzug so getan, als ob du deine Unternehmensanteile verkauft hättest – auch wenn das in Wirklichkeit nicht passiert ist.


Das nennt man:


fiktiver Veräußerungsgewinn



Wann greift die Wegzugsbesteuerung?


Die Wegzugsbesteuerung greift nicht bei jedem Auswanderer. Sie betrifft nur bestimmte Personengruppen.


Du bist betroffen, wenn alle folgenden Punkte erfüllt sind:


  1. Du bist in Deutschland steuerpflichtig

  2. Du ziehst ins Ausland

  3. Du besitzt Anteile an einer Kapitalgesellschaft

  4. Deine Beteiligung beträgt mindestens 1 %


Das gilt zum Beispiel für:


  • GmbH-Gesellschafter

  • Unternehmer

  • Startup-Gründer

  • Investoren

  • Holding-Strukturen

  • Beteiligungen an Familienunternehmen



Beispiel: Wegzug in die Schweiz


Stell dir folgende Situation vor:


Du hast vor zehn Jahren eine Firma gegründet.

Damals:

  • Unternehmenswert: 50.000 Euro

Heute:

  • Unternehmenswert: 1.000.000 Euro

Du besitzt:

  • 100 % der Anteile


Wenn du nun in die Schweiz auswanderst, berechnet das Finanzamt:


Gewinn:

1.000.000 Euro minus 50.000 Euro = 950.000 Euro


Dieser Gewinn wird besteuert – obwohl du die Firma nicht verkauft hast.


Das ist die Wegzugsbesteuerung.



Wie hoch ist die Wegzugsbesteuerung?


Die Steuerhöhe hängt vom persönlichen Steuersatz ab.


In der Praxis liegt die Belastung häufig zwischen:

25 % und 30 %


Das bedeutet:


Beispiel:

Gewinn:

950.000 Euro

Steuer:

ca. 250.000 Euro bis 300.000 Euro

Und wichtig:

Diese Steuer kann sofort fällig werden.



Was hat sich seit 2022 bei der Wegzugsbesteuerung geändert?


Die Reform der Wegzugsbesteuerung im Jahr 2022 hat das Thema deutlich verschärft.


Früher:

Die Steuer konnte dauerhaft gestundet werden, wenn du in ein EU-Land gezogen bist.


Heute:

Das ist nicht mehr möglich.


Die wichtigsten Änderungen


1. Automatische Stundung nur noch für 7 Jahre


Die Steuer wird nicht sofort verlangt, sondern gestundet.


Aber:


  • maximal 7 Jahre

  • danach muss sie bezahlt werden

  • auch ohne Verkauf der Anteile


Das ist eine der größten Veränderungen im deutschen Steuerrecht für Auswanderer.


2. Ratenzahlung statt unbegrenzter Stundung


Die Steuer wird jetzt typischerweise:


  • über 7 Jahre verteilt

  • in jährlichen Raten bezahlt


Das bedeutet:

Du musst Liquidität einplanen.


3. Gleichbehandlung von EU und Nicht-EU


Früher:

EU-Länder hatten Vorteile.


Heute:

Diese Vorteile sind weitgehend weggefallen.

Das betrifft auch die Schweiz.



Besonderheiten für Auswanderer in die Schweiz


Für viele Deutsche ist die Schweiz ein attraktives Ziel:


  • hohe Gehälter

  • stabile Wirtschaft

  • gute Lebensqualität

  • niedrigere Steuern


Doch steuerlich gilt:


Die Schweiz ist aus deutscher Sicht ein Drittstaat!


Das bedeutet:


Die Wegzugsbesteuerung greift voll.


Wann wird die Steuer tatsächlich fällig?


Die Steuer wird normalerweise fällig, wenn:


  • du deine Anteile verkaufst

  • du Dividenden erhältst

  • du in ein anderes Land weiterziehst

  • du gegen Bedingungen verstößt

  • die Stundungsfrist endet


Wichtig:


Nach spätestens 7 Jahren kann die Steuer vollständig fällig werden – auch ohne Verkauf.



Welche Vermögenswerte sind betroffen?


Nicht nur Unternehmen können betroffen sein.


Typische Beispiele:


  • GmbH-Anteile

  • Beteiligungen an Startups

  • Holding-Strukturen

  • Familienunternehmen

  • Aktiengesellschaften

  • Beteiligungen über Vermögensgesellschaften


Nicht betroffen sind in der Regel:


  • ETFs

  • normale Aktiendepots

  • Immobilien

  • Sparguthaben


Entscheidend ist:


Beteiligung an Kapitalgesellschaft ab 1 %



Sonderfall: Wegzug mit einer GmbH oder Holding


Besonders kritisch wird die Wegzugsbesteuerung bei:


  • Unternehmern

  • Selbstständigen

  • Freelancern mit GmbH

  • Holding-Strukturen


Denn hier ist der Unternehmenswert oft hoch.


Und damit auch die Steuer.



Beispiel: Unternehmer zieht in die Schweiz


Unternehmenswert:

2.000.000 Euro

Einstandswert:

50.000 Euro

Gewinn:

1.950.000 Euro

Steuer:

ca. 500.000 Euro bis 600.000 Euro

Und wichtig:

Diese Steuer entsteht ohne Verkauf.


Kann man die Wegzugsbesteuerung vermeiden?


Ja – aber nur mit guter Planung.

Und vor allem: Frühzeitig.



Typische Strategien


1. Beteiligung unter 1 % reduzieren


Wenn deine Beteiligung:

unter 1% liegt, greift die Wegzugsbesteuerung nicht.


Das kann zum Beispiel bedeuten:


  • Anteile verkaufen

  • Anteile übertragen

  • Beteiligung aufteilen


2. Wegzug frühzeitig planen


Idealerweise:

2 bis 5 Jahre vorher.

Denn viele Gestaltungen brauchen Zeit.


3. Unternehmensstruktur anpassen


Beispiele:


  • Holdingstruktur ändern

  • Unternehmensanteile übertragen

  • Vermögensaufteilung


4. Verkauf vor dem Wegzug


Manchmal sinnvoll:


  • Verkauf in Deutschland

  • Steuer bezahlen

  • danach Umzug


Das kann günstiger sein als die Wegzugsbesteuerung.


Häufige Fehler bei der Wegzugsbesteuerung


Ein typischer Fehler ist:

Die Wegzugsbesteuerung zu spät zu prüfen.


Viele Auswanderer beschäftigen sich erst damit:

nachdem sie bereits umgezogen sind.

Dann ist es oft zu spät.


Weitere typische Fehler


  • Unternehmenswert unterschätzen

  • Beteiligung übersehen

  • falsche Beratung

  • fehlende Liquiditätsplanung

  • spontane Auswanderung



Was passiert, wenn du zurück nach Deutschland ziehst?


Wenn du innerhalb von:

7 Jahren


nach Deutschland zurückkehrst, kann die Wegzugsbesteuerung rückgängig gemacht werden.


Voraussetzungen:


  • keine Veräußerung der Anteile

  • keine wesentlichen Änderungen

  • Rückkehr nach Deutschland


Dann wird die Steuer:

nicht fällig.


Wegzugsbesteuerung und Doppelbesteuerungsabkommen


Deutschland und die Schweiz haben ein:

Doppelbesteuerungsabkommen (DBA)


Das verhindert:

dass du dieselbe Steuer zweimal zahlen musst.


Aber:

Es verhindert nicht die Wegzugsbesteuerung.

Das ist ein wichtiger Unterschied.



Für wen ist die Wegzugsbesteuerung besonders relevant?


Diese Gruppen sollten das Thema unbedingt prüfen:


  • Unternehmer

  • Selbstständige mit GmbH

  • Startup-Gründer

  • Investoren

  • vermögende Privatpersonen

  • Gesellschafter

  • Holding-Besitzer



Fazit: Die Wegzugsbesteuerung ist eines der wichtigsten Themen beim Auswandern


Wenn du aus Deutschland in die Schweiz auswanderst, kann die Wegzugsbesteuerung zu einer der größten finanziellen Belastungen werden.

Nicht jeder ist betroffen.


Aber wenn sie greift, kann sie:


  • sehr teuer werden

  • sofort Liquidität erfordern

  • langfristige Folgen haben


Die wichtigste Regel lautet:


Je früher du planst, desto besser.


Gerade für Unternehmer oder Investoren kann eine frühzeitige Strategie den Unterschied zwischen einer kleinen Steuer und einer sehr großen Steuer ausmachen.

Hast du Fragen zu der Thematik? Dann schreibe uns gern eine Mail an auswandernschweiz.ch@gmail.com

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