Wer wählt den Bundesrat? Wahlverfahren und Mehr 2026
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Die sieben Mitglieder des Schweizer Bundesrates werden nicht direkt vom Volk gewählt. Zuständig ist die Vereinigte Bundesversammlung: Nationalrat und Ständerat treten für die Wahl gemeinsam zusammen. Das unterscheidet die Schweiz von Staaten mit einer direkt gewählten Präsidentin oder einem direkt gewählten Präsidenten.
Der Wahlmodus ist genau geregelt. Besonders häufig werden die absolute Mehrheit, die Rolle der Parteien und die sogenannte Zauberformel falsch erklärt. Dieser Überblick zeigt das Verfahren auf Bundesebene mit Stand Oktober 2026.
Wer darf den Bundesrat wählen?
Die Vereinigte Bundesversammlung besteht aus den 200 Mitgliedern des Nationalrates und den 46 Mitgliedern des Ständerates. Zusammen sind das 246 Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Sie wählen die sieben Bundesratsmitglieder in geheimer Abstimmung, nicht in einer landesweiten Volkswahl.
Der Nationalrat repräsentiert die Bevölkerung, der Ständerat die Kantone. Für die Bundesratswahl sitzen beide Kammern zusammen. Die Vereinigte Bundesversammlung nimmt ausserdem weitere Wahlen vor, etwa jene des Bundeskanzlers und bestimmter Mitglieder der eidgenössischen Gerichte.
Die Gesamterneuerungswahl des Bundesrates findet alle vier Jahre in der Wintersession nach den Nationalratswahlen statt. Scheidet während einer Amtsperiode ein Mitglied aus, wird eine Ersatzwahl durchgeführt. Der Bundesrat wird also nicht bei jeder eidgenössischen Volksabstimmung neu gewählt.
Wer kann in den Bundesrat gewählt werden?
Wählbar sind grundsätzlich Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die auf Bundesebene stimmberechtigt sind. Man muss nicht bereits dem Nationalrat oder Ständerat angehören. Politische Parteien und Fraktionen schlagen in der Praxis Kandidierende vor, doch die Bundesversammlung ist rechtlich nicht auf eine von einer Partei präsentierte Zweierliste beschränkt.
Bei der Auswahl spielen politische Erfahrung, fachliche Fähigkeiten, Mehrheitsfähigkeit sowie die angemessene Vertretung von Landesgegenden und Sprachregionen eine Rolle. Die Bundesverfassung verlangt die angemessene Berücksichtigung der verschiedenen Landesgegenden und Sprachregionen. Daraus folgt kein fester Sitzanspruch einer bestimmten Partei oder eines Kantons.
Wie läuft die geheime Wahl ab?
Für die Wahl jedes Bundesratsmitglieds werden Stimmzettel abgegeben. Im ersten und zweiten Wahlgang können alle wählbaren Personen Stimmen erhalten. Ab dem dritten Wahlgang dürfen keine neuen Kandidaturen mehr hinzukommen. Kandidierende mit weniger als zehn Stimmen scheiden ab dem zweiten Wahlgang aus; später kann auch die Person mit der geringsten Stimmenzahl ausscheiden, soweit die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Die Wahl wird fortgesetzt, bis eine Person das absolute Mehr erreicht. Es gibt keine feste Zahl von zwei Wahlgängen und auch keinen Wechsel zu einer bloss relativen Mehrheit im zweiten Wahlgang. Diese Behauptung stand in der alten Fassung und ist falsch.
Nach einer erfolgreichen Wahl erklärt die gewählte Person, ob sie die Wahl annimmt. Die sieben Bundesratsmitglieder bilden gemeinsam die Regierung. Die Zuteilung der Departemente wird innerhalb des Bundesrates geregelt und ist nicht Teil der Wahl durch das Parlament.
Was bedeutet das absolute Mehr?
Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen erhält. Leere und ungültige Wahlzettel werden bei der Berechnung nicht mitgezählt. Deshalb ist die erforderliche Stimmenzahl nicht in jedem Wahlgang starr 123 oder 124, obwohl die Vereinigte Bundesversammlung 246 Mitglieder hat.
Ein amtliches Beispiel aus der Gesamterneuerungswahl vom 13. Dezember 2023 zeigt den Unterschied: Bei 243 gültigen Wahlzetteln lag das absolute Mehr bei 122 Stimmen. Bei 246 gültigen Wahlzetteln betrug es 124 Stimmen. Entscheidend ist die Zahl der gültigen Stimmzettel des jeweiligen Wahlgangs.
Welche Rolle spielen Parteien und Zauberformel?
Die Schweiz wird traditionell von einer Mehrparteienregierung geprägt. Die als Zauberformel bekannte Sitzverteilung beschreibt eine politische Praxis der Einbindung grosser Parteien. Sie ist aber keine starre Verfassungsregel, die jeder Partei automatisch eine bestimmte Zahl von Bundesratssitzen garantiert.
Fraktionen nominieren Kandidierende und versuchen, parlamentarische Mehrheiten zu organisieren. Da geheim abgestimmt wird, können Parlamentarierinnen und Parlamentarier anders wählen als von ihrer Fraktion empfohlen. Ein Bundesratsmandat ist daher nicht identisch mit einem Anspruch der Partei, die eine Person vorgeschlagen hat.
Das Konkordanzprinzip soll breite politische Kräfte in Regierungsverantwortung einbinden. Anders als in einem klassischen parlamentarischen Regierung-Opposition-System sitzen mehrere Parteien gleichzeitig in der Exekutive. Das bedeutet nicht, dass sie in allen Sachfragen dieselbe Position vertreten.
Wie arbeiten die sieben Mitglieder nach der Wahl?
Jedes Mitglied leitet ein Departement, zugleich entscheidet der Bundesrat als Kollegialbehörde. Das Kollegialitätsprinzip bedeutet, dass der Bundesrat Beschlüsse gemeinsam trägt, auch wenn einzelne Mitglieder in internen Beratungen unterschiedliche Ansichten hatten.
Das Bundespräsidium wechselt in der Regel jährlich. Die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident ist keine zusätzliche achte Person und verfügt nicht über dieselbe Stellung wie ein Staatspräsident mit eigener Regierungsmehrheit. Die Vereinigte Bundesversammlung wählt das Präsidium aus den sieben amtierenden Mitgliedern.
Häufige Fragen
Wählt das Schweizer Volk den Bundesrat direkt?
Nein. Die Stimmberechtigten wählen auf Bundesebene den Nationalrat; die Ständeratswahlen richten sich nach kantonalem Recht. Die Mitglieder beider Kammern wählen anschliessend als Vereinigte Bundesversammlung den Bundesrat.
Muss ein Bundesratsmitglied im Parlament sitzen?
Nein. Die Wählbarkeit ist nicht auf amtierende Parlamentsmitglieder beschränkt. Eine Kandidatur wird in der Praxis aber häufig von einer Fraktion oder Partei getragen.
Gibt es eine feste Zahl von Stimmen für die Wahl?
Nein. Erforderlich ist das absolute Mehr der gültigen Stimmen im jeweiligen Wahlgang. Leere und ungültige Stimmzettel verändern daher die Schwelle.
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