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Renditereihenfolge-Risiko Schweiz 2026: Warum Entnahmen im Börsencrash gefährlich sind

vor 1 Stunde
13 Min. Lesezeit

Wenn Du während der Erwerbsphase Vermögen aufbaust, sind sinkende Börsenkurse unangenehm, aber bei laufenden Sparraten nicht zwangsläufig ein Problem. Nach der Pensionierung verändert sich die Situation. Sobald Du regelmässig Geld aus Deinem Depot entnimmst, kann die zeitliche Reihenfolge von Börsengewinnen und Verlusten entscheidend dafür sein, wie lange Dein Kapital reicht. Zwei Menschen mit identischem Startvermögen, identischen Entnahmen und denselben Jahresrenditen können nach wenigen Jahren sehr unterschiedliche Depotstände haben.

Dieses Phänomen heisst Renditereihenfolge-Risiko oder auf Englisch Sequence-of-Returns Risk. Besonders kritisch können die ersten Jahre nach Beginn der Entnahmephase sein. Der folgende Ratgeber zeigt Dir mit nachvollziehbaren Frankenbeträgen, warum das so ist, welche Bedeutung AHV und Pensionskasse in der Schweiz haben und wie Du Entnahmen, Liquidität und Anlageaufteilung sinnvoll zusammendenken kannst. Alle Beispiele sind Modellrechnungen und keine Renditeprognosen.

Werbehinweis: Dieser Beitrag enthält einen gekennzeichneten Affiliate-Link zu Selma. Wenn Du über diesen Link ein Angebot nutzt, können wir eine Provision erhalten. Die redaktionelle Bewertung und die Rechenbeispiele bleiben davon unabhängig. Selma ist eine digitale Vermögensverwaltung, keine Garantie gegen Börsenverluste. Der Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Anlage-, Steuer- oder Vorsorgeberatung.

Was ist das Renditereihenfolge-Risiko?

Das Renditereihenfolge-Risiko beschreibt den Einfluss der Abfolge von Anlageerträgen auf das Endvermögen, wenn zwischenzeitlich Kapital ein- oder ausgezahlt wird. Ohne solche Geldbewegungen spielt die Reihenfolge identischer prozentualer Jahresrenditen mathematisch keine Rolle. Du multiplizierst einfach die Renditefaktoren miteinander. Sobald Du jedoch jedes Jahr einen festen Frankenbetrag entnimmst, wirkt jede weitere Rendite auf einen durch die Entnahmen veränderten Kapitalbestand.

Ein Verlust unmittelbar zu Beginn der Entnahmephase kann deshalb besonders schwer wiegen. Um Deine laufenden Rechnungen zu bezahlen, musst Du möglicherweise Wertpapiere zu niedrigen Kursen verkaufen. Diese verkauften Anteile können an einer späteren Erholung nicht mehr teilnehmen. Eine identische negative Marktrendite erst nach mehreren guten Jahren kann einen geringeren Schaden für den langfristigen Entnahmeplan verursachen.

Das Phänomen ist weder ein technischer Fehler eines ETF noch ein Risiko, das nur aktive Fonds betrifft. Es gilt für Aktien, Indexfonds, Mischportfolios und grundsätzlich für jedes schwankende Anlagevermögen. Wie stark es ausfällt, hängt von Entnahmehöhe, Schwankungen, Anlagestruktur, Kosten, Inflation und Zeitraum ab.

Warum Sparen und Entnehmen entgegengesetzt funktionieren

Während des Vermögensaufbaus können fallende Kurse bei regelmässigen Sparraten vorteilhaft sein. Mit derselben Einzahlung kaufst Du mehr Fondsanteile. Später profitieren diese zusätzlichen Anteile möglicherweise von einer Erholung. Voraussetzung ist natürlich, dass Du die Verluste finanziell tragen und die Sparraten fortsetzen kannst.

Beim Entnehmen läuft derselbe Mechanismus in die andere Richtung. Du musst für eine feste Auszahlung bei tieferen Kursen mehr Anteile verkaufen. Deshalb reicht die Angabe einer durchschnittlichen Jahresrendite nicht aus, um die Sicherheit eines Entnahmeplans zu beurteilen. Auch die zeitliche Verteilung der Renditen ist entscheidend.

CHF-Rechenbeispiel: Dieselben fünf Renditen, zwei Ergebnisse

Nehmen wir ein frei verfügbares Depot mit 300'000 CHF Anfangskapital. Du entnimmst jeweils am Jahresende 15'000 CHF. Wir vergleichen fünf Jahre mit exakt denselben Renditen: einmal minus 20 Prozent und viermal plus 10 Prozent. Gebühren, Steuern und Inflation bleiben in diesem ersten Beispiel bewusst ausgeklammert, damit Du den reinen Reihenfolgeeffekt erkennen kannst.

Variante A: Der Verlust kommt im ersten Jahr

Nach einem Rückgang um 20 Prozent sinkt das Depot von 300'000 auf 240'000 CHF. Du entnimmst 15'000 CHF, sodass 225'000 CHF übrig bleiben. Im zweiten Jahr wächst der Bestand um zehn Prozent auf 247'500 CHF. Nach der nächsten Auszahlung sind es 232'500 CHF.

Im dritten Jahr steigt der Wert vor Auszahlung auf 255'750 CHF und danach verbleiben 240'750 CHF. Im vierten Jahr resultieren nach Rendite und Auszahlung 249'825 CHF. Am Ende des fünften Jahres stehen nach derselben Rechnung 259'807.50 CHF im Depot. Du hast in dieser Zeit insgesamt 75'000 CHF für Deinen Lebensunterhalt erhalten.

Variante B: Der Verlust kommt im fünften Jahr

Nun beginnt die gleiche Fünfjahresperiode mit vier Gewinnen von je zehn Prozent. Nach den jeweiligen Jahresauszahlungen beträgt der Depotwert nacheinander 315'000 CHF, 331'500 CHF, 349'650 CHF und 369'615 CHF. Erst im fünften Jahr fällt der Markt um 20 Prozent. Vor der Auszahlung beträgt der Wert 295'692 CHF, danach 280'692 CHF.

Beide Varianten enthalten dieselben Renditen und dieselben fünf Auszahlungen. Dennoch liegt Variante B am Ende um 20'884.50 CHF höher. Ohne Entnahmen wäre der Endwert in beiden Reihenfolgen identisch. Die Differenz entsteht allein durch die Kombination von Renditezeitpunkt und Mittelabfluss.

Was Du aus dem Beispiel ableiten darfst

Die Zahlen sind mathematisch nachvollziehbar, aber kein Backtest eines bestimmten ETF. Reale Depots enthalten zusätzliche Faktoren wie Dividenden, Wechselkurse, Transaktionskosten, Steuern und unterjährige Schwankungen. Ein Börsencrash kann länger dauern oder schneller vorübergehen. Du kannst die künftige Reihenfolge der Renditen nicht zuverlässig vorhersagen.

Das Beispiel zeigt auch nicht, dass Du unmittelbar vor der Pensionierung sämtliche Aktien verkaufen solltest. Es macht lediglich deutlich, warum die Höhe und Flexibilität Deiner Auszahlungen zur Anlagestruktur passen müssen. Eine zu hohe Aktienquote kann problematisch sein, aber eine zu tiefe Quote kann bei langen Entnahmephasen ebenfalls Risiken schaffen.

Weshalb die ersten Jahre der Pensionierung besonders wichtig sind

Zu Beginn einer Entnahmephase liegt häufig ein grosser Teil des später benötigten Vermögens noch im Depot. Frühe Verluste treffen damit einen hohen Bestand, während der Haushalt weiterhin Ausgaben hat. Jede Auszahlung nach einem Kursrückgang reduziert die Kapitalbasis, auf der eine spätere Erholung stattfinden könnte.

Morningstar hat das Renditereihenfolge-Risiko in seinen Untersuchungen zur Altersfinanzierung ausführlich analysiert. Die Forschenden betrachteten unter anderem, welche Bedeutung negative Anlageergebnisse in den ersten Ruhestandsjahren für später scheiternde Entnahmepläne haben. Das Ergebnis unterstreicht die Bedeutung früher Verluste, ist aber an die jeweiligen US-Modellannahmen gebunden und keine direkte Prognose für die Schweiz.

In der Schweiz hängt die tatsächliche Gefährdung stark davon ab, ob Du Deinen Lebensunterhalt hauptsächlich aus Kapital oder aus laufenden Renten finanzierst. Wer bereits durch AHV und Pensionskassenrente einen grossen Teil der notwendigen Ausgaben deckt, kann bei Depotentnahmen meist flexibler reagieren als jemand, der sämtliche Rechnungen durch Wertpapierverkäufe bezahlen muss.

Entnahmequote: Vier Prozent sind keine Garantie

Die anfängliche Entnahmequote ergibt sich aus dem jährlichen Auszahlungsbetrag geteilt durch das Startvermögen. Bei 300'000 CHF Kapital entsprechen 12'000 CHF einer Quote von vier Prozent und 15'000 CHF einer Quote von fünf Prozent. Der Unterschied von 3'000 CHF pro Jahr wirkt zunächst überschaubar, kann aber über Jahrzehnte grosse Folgen haben.

Die bekannte Vier-Prozent-Regel beruht auf historischen Untersuchungen bestimmter US-Anlageportfolios und Entnahmezeiträume. Sie ist kein schweizerisches Gesetz und kein Versprechen, dass ein bestimmtes Depot dreissig Jahre ausreicht. Steuerbelastung, Depotkosten, Anlageklassen, Inflation, Rentenleistungen und die tatsächliche Lebensdauer können erheblich von den historischen Annahmen abweichen.

Die Morningstar-Studie «The State of Retirement Income: 2025» nennt für ein modelliertes Portfolio bei einer 30-jährigen Entnahmephase und einem definierten Erfolgsziel von 90 Prozent eine anfängliche Entnahmequote von rund 3,9 Prozent. Diese Zahl ist eine szenariobasierte Schätzung, keine Garantie und keine allgemeingültige Empfehlung für Schweizer Privathaushalte. Wer besonders früh in Rente geht, muss möglicherweise deutlich länger planen.

Warum eine längere Entnahmephase anspruchsvoller wird

Ein Depot, das zwanzig Jahre finanzieren soll, hat andere Anforderungen als eines für vierzig Jahre. Bei längeren Zeiträumen nehmen die Möglichkeiten für mehrere schwache Börsenphasen zu. Zugleich kann die Inflation die Kaufkraft des Geldes vermindern. Ein sehr defensives Portfolio reduziert möglicherweise die kurzfristige Schwankung, erzielt aber langfristig nicht genügend Wachstum.

Deshalb solltest Du nicht nur einen einzelnen Durchschnittsertrag in einen Rechner eingeben. Prüfe verschiedene Entnahmequoten, schlechte Anfangsjahre, längere Lebensdauern und höhere Ausgaben. Auch ein unerwartet hoher Pflege- oder Wohnbedarf kann die Planung verändern.

Inflation: Ein fixer Frankenbetrag bleibt nicht gleich viel wert

Wenn Du jedes Jahr 20'000 CHF entnimmst, bleibt Deine Auszahlung nominal gleich. Bei steigenden Preisen kannst Du damit jedoch weniger kaufen. Eine inflationsangepasste Entnahme erhöht den Frankenbetrag jedes Jahr, was die Kaufkraft stabilisieren soll, aber das Depot zusätzlich belastet.

Bei rein hypothetischen zwei Prozent Inflation würden aus 20'000 CHF nach einem Jahr 20'400 CHF. Nach weiteren Jahren setzt sich die Steigerung fort. Die angenommene Inflationsrate ist keine Aussage über die tatsächliche Schweizer Teuerung 2026. Sie dient nur dazu, den Unterschied zwischen nominalen und realen Auszahlungen zu verdeutlichen.

Gerade nach schwachen Börsenjahren kann eine automatische Inflationsanpassung die Belastung erhöhen. Manche Entnahmepläne sehen deshalb vor, nach Verlustjahren vorübergehend auf Erhöhungen zu verzichten. Das schafft Spielraum, bedeutet aber auch, dass der Haushalt zeitweise Kaufkraft einbüsst.

AHV und Pensionskasse als stabilisierende Einkommensbausteine

Die Schweizer Altersvorsorge besteht nicht nur aus dem privaten Wertschriftendepot. AHV, berufliche Vorsorge, Säule 3a und frei verfügbares Kapital haben unterschiedliche Eigenschaften. Eine laufende Rente kann einen Teil der regelmässigen Ausgaben decken und damit den Verkaufsdruck auf das Depot verringern.

Stell Dir einen Haushalt mit monatlichen Ausgaben von 5'500 CHF vor. Wenn AHV und Pensionskassenrenten zusammen 4'200 CHF beitragen, fehlen monatlich 1'300 CHF. Der jährliche Kapitalbedarf beträgt dann 15'600 CHF. Bei 500'000 CHF frei verfügbarem Kapital entspricht dies anfänglich 3,12 Prozent. Ohne laufende Renten wäre der notwendige Kapitalbezug bei gleichem Depot wesentlich höher.

Das Beispiel setzt voraus, dass die genannten Rentenbeträge tatsächlich verfügbar sind und die Ausgaben vollständig erfasst wurden. Steuern und zusätzliche Verpflichtungen können die Nettozahlen verändern. Die Wahl zwischen Pensionskassenrente und Kapitalbezug ist daher auch eine Entscheidung über die Verteilung von Anlage-, Langlebigkeits- und Liquiditätsrisiken.

Mehr zur Reichweite eines grösseren Vermögens liest Du in unserem Beitrag 500'000 Franken im Ruhestand: Wie lange reicht das Geld?. Der vorliegende Artikel konzentriert sich dagegen bewusst auf die Reihenfolge der Marktrenditen.

Gebundene Vorsorge und Privatvermögen nicht verwechseln

Ein ausbezahltes Pensionskassenguthaben ist nicht dasselbe wie ein noch gebundenes Vorsorgekonto. Für Bezüge aus der zweiten Säule und der Säule 3a gelten besondere rechtliche Voraussetzungen und steuerliche Regeln. Erst nach Berücksichtigung dieser Folgen kannst Du abschätzen, welcher Nettobetrag tatsächlich für eine freie Anlage zur Verfügung steht.

Auch der Zeitpunkt mehrerer Kapitalbezüge kann steuerlich relevant sein. Unser Artikel Kapitalbezug gestaffelt: Mehrere Vorsorgekonten und Steuern behandelt diese eigenständige Fragestellung. Die kantonalen Unterschiede solltest Du vor konkreten Entscheidungen mit den zuständigen Stellen prüfen.

Liquiditätsreserve: Weniger Zwangsverkäufe nach einem Crash

Eine Reserve aus kurzfristig verfügbaren Mitteln kann helfen, Rechnungen zu bezahlen, ohne während eines starken Kursrückgangs Aktien verkaufen zu müssen. Sie ist deshalb eine mögliche Ergänzung zu einem langfristigen Depot. Wie viele Monate oder Jahre Du überbrücken möchtest, hängt von Deinen festen Renteneinnahmen, Deiner Entnahmequote und Deiner persönlichen Sicherheit ab.

Unterscheide einen allgemeinen Notgroschen von einer gezielten Reserve für geplante Entnahmen. Der Notgroschen soll unerwartete Kosten wie Reparaturen oder dringende Anschaffungen auffangen. Ein Entnahmepuffer ist dagegen dafür vorgesehen, bekannte Ausgaben zeitweise unabhängig von Aktienverkäufen zu finanzieren. Diese beiden Zwecke solltest Du im Haushaltsplan getrennt ausweisen.

Unser Ratgeber Notgroschen Schweiz: Wie viel Reserve brauchst Du? hilft bei der Berechnung einer allgemeinen finanziellen Sicherheitsreserve.

Eine hohe Cashquote hat auch Nachteile

Bargeld und Bankguthaben schützen nicht vor jedem Risiko. Ihre Kaufkraft kann durch Inflation sinken, und Du verzichtest möglicherweise auf höhere langfristige Erträge. Zudem muss der Puffer irgendwann aufgefüllt werden. Wenn Du nach jedem kleinen Börsenrückgang sofort Aktien verkaufst, um die Reserve zu erneuern, kann der ursprüngliche Schutzgedanke verloren gehen.

Ein schriftlicher Plan sollte deshalb festhalten, wann Du aus dem Puffer entnimmst, wann Du ihn auffüllst und welche Mindestliquidität notwendig ist. Es gibt keine universell richtige Reservehöhe. Entscheidend ist, dass Du die Lösung auch in einer längeren Schwächephase tatsächlich umsetzen kannst.

Aktien, Obligationen und Risiko gemeinsam planen

Eine Mischung aus Aktien und hochwertigen Obligationen kann die Schwankungen eines Portfolios gegenüber einer reinen Aktienanlage verringern. Gleichzeitig sind Obligationen nicht risikofrei. Steigende Marktzinsen können Kursverluste auslösen, und bei bestimmten Emittenten besteht ein Ausfallrisiko. Bei Fremdwährungsanlagen kommt das Wechselkursrisiko hinzu.

Ein reines Aktienportfolio kann im Ruhestand erhebliche kurzfristige Verluste verursachen. Ein ausschliesslich defensives Portfolio kann dagegen über lange Zeiträume zu wenig Wachstum liefern, um Inflation und Auszahlungen auszugleichen. Die geeignete Mischung hängt von Deinem tatsächlichen Bedarf und Deiner Fähigkeit ab, vorübergehende Verluste auszuhalten.

Wenn Du die Unterschiede zwischen Anlagehorizont und Verlusttragfähigkeit vertiefen möchtest, lies Risikoprofil Schweiz: Risikofähigkeit und Aktienquote. Für die Risiken von Anleihenfonds empfehlen wir ergänzend Obligationen-ETF: Duration und Zinsrisiko verstehen.

Flexible Entnahmen statt starrer Auszahlungsbeträge

Ein fester realer Entnahmebetrag ist für den Haushalt gut planbar, kann das Depot in schwachen Börsenjahren jedoch besonders belasten. Flexible Methoden reagieren auf den Vermögensverlauf. Beispielsweise könntest Du nach einem negativen Anlagejahr auf eine geplante Erhöhung freiwilliger Ausgaben verzichten.

Andere Ansätze knüpfen den jährlichen Auszahlungsbetrag an einen bestimmten Prozentsatz des jeweils aktuellen Depotwerts. Damit sinkt die Auszahlung nach einem Kursverlust automatisch. Der Nachteil liegt auf der Hand: Dein verfügbares Einkommen kann deutlich schwanken. Miete, Krankenkasse und andere notwendige Rechnungen lassen sich nicht beliebig reduzieren.

Fortgeschrittene Strategien nutzen Ober- und Untergrenzen, sogenannte Guardrails. Sie sollen die Entnahmen innerhalb eines definierten Korridors halten. Morningstar vergleicht solche flexiblen Verfahren in der Ruhestandseinkommensforschung. Höhere mögliche Anfangsauszahlungen gehen dabei häufig mit stärker schwankenden Einkommen oder anderen Zielkonflikten einher.

Fixkosten und freiwillige Ausgaben trennen

Ein praktikabler Haushaltsplan unterscheidet notwendige Ausgaben von solchen, die Du verschieben kannst. Wohnen, Grundversorgung, Versicherungen und wichtige Gesundheitsausgaben gehören zur ersten Gruppe. Grössere Reisen, zusätzliche Anschaffungen oder freiwillige Geschenke lassen sich unter Umständen nach einem schlechten Börsenjahr reduzieren.

Diese Flexibilität ist nur dann vorhanden, wenn der Haushalt tatsächlich genügend freiwillige Ausgaben hat. Wer bereits knapp kalkuliert, kann nicht beliebig sparen. Dann ist eine tiefere anfängliche Entnahmequote möglicherweise wichtiger als eine komplizierte Anpassungsformel.

Rebalancing während der Entnahmephase

Beim Rebalancing bringst Du die tatsächliche Aufteilung Deines Depots wieder näher an die ursprünglich geplante Gewichtung. Wenn Aktien nach mehreren guten Jahren einen deutlich grösseren Anteil ausmachen, kann die Risikobelastung unbemerkt steigen. Ein diszipliniertes Rebalancing soll das vermeiden.

In der Entnahmephase können Verkäufe für den Lebensunterhalt teilweise mit Rebalancing kombiniert werden. Statt alle Positionen proportional zu reduzieren, lässt sich unter Umständen zuerst die übergewichtete Anlageklasse abbauen. Das ist aber keine allgemeine Verkaufsregel: Marktverhältnisse, Transaktionskosten, steuerliche Aspekte und die benötigte Liquidität müssen berücksichtigt werden.

Unser Beitrag ETF-Rebalancing Schweiz: Mit Sparraten statt Verkäufen erklärt die Grundlagen für die Aufbauphase. Im Ruhestand ändern sich die Möglichkeiten, weil neue Sparraten möglicherweise wegfallen. Rebalancing steuert Risiken, verhindert aber keinen Börsencrash.

Selma als digitale Vermögensverwaltung einordnen

Wenn Du die Auswahl und laufende Überwachung einzelner Anlagen nicht selbst übernehmen möchtest, kann eine digitale Vermögensverwaltung eine organisatorische Alternative sein. Selma beschreibt auf der offiziellen Website einen persönlichen Investmentplan, die laufende Verwaltung und Anpassungen des Portfolios. Der Anbieter empfiehlt grundsätzlich einen langfristigen Anlagehorizont.

Das bedeutet nicht, dass Selma automatisch einen für jeden Ruhestand geeigneten Entnahmeplan erstellt oder das Renditereihenfolge-Risiko ausschliesst. Du musst weiterhin klären, wie hoch Deine notwendigen Auszahlungen sind, welche festen Renten Du erhältst und welche Liquidität Du kurzfristig brauchst. Auch ein diversifiziertes, professionell betreutes Depot kann im Wert fallen.

Werbung: originale Selma Partnergrafik zur digitalen Vermögensverwaltung Schweiz

Die offizielle Selma-Partnerseite bewirbt aktuell einen Startbonus von 34 CHF über die persönliche Einladung. Es handelt sich nicht um eine garantierte Rendite und nicht um einen Schutz vor Verlusten. Die Bedingungen können sich ändern und sind vor einer Kontoeröffnung auf der Anbieterwebsite zu prüfen. Die Einladung funktioniert über den Partnerlink; es wird kein zusätzlicher Gutscheincode behauptet.

Gebühren und Produktkosten nicht vergessen

Selma nennt auf seiner offiziellen Gebührenübersicht jährliche Verwaltungsgebühren von 0,68 Prozent unter 50'000 CHF, 0,55 Prozent zwischen 50'000 und 150'000 CHF, 0,47 Prozent zwischen 150'000 und 500'000 CHF sowie 0,42 Prozent über 500'000 CHF. Zusätzlich weist der Anbieter auf Produktkosten und mögliche Transaktionsabgaben hin. Massgeblich sind die jeweils aktuellen Tarifbedingungen.

Bei einem Depot von 100'000 CHF entsprächen 0,55 Prozent rechnerisch 550 CHF jährlicher Verwaltungsgebühr, sofern die betreffende Stufe für den konkreten Bestand gilt. Produktkosten kommen hinzu. Gebühren wirken auch in Verlustjahren und müssen bei jeder langfristigen Entnahmeplanung berücksichtigt werden. Eine automatisierte Verwaltung ist vor allem eine Dienstleistung; ihr Nutzen muss zu Deinen Bedürfnissen und den Gesamtkosten passen.

Mehr über das Angebot erfährst Du in unserem Selma Robo-Advisor Erfahrungsbericht. Der vorliegende Ratgeber behandelt hingegen vor allem das allgemeine Renditereihenfolge-Risiko und ist kein individueller Produkttest.

Schweizer Steuern und Fremdwährungen berücksichtigen

In der Schweiz sind Kapitalgewinne aus der Veräusserung beweglichen Privatvermögens bei natürlichen Personen grundsätzlich einkommenssteuerfrei, sofern keine gewerbsmässige Wertschriftenhandelstätigkeit vorliegt. Dividenden und Zinsen sind dagegen grundsätzlich steuerbare Kapitalerträge. Das Depotvermögen ist nach den anwendbaren kantonalen Regeln für die Vermögenssteuer zu deklarieren. Die Eidgenössische Steuerverwaltung beschreibt diese Abgrenzung ausdrücklich.

Eine Depotentnahme ist deshalb nicht automatisch steuerfrei oder steuerpflichtig. Entscheidend ist, aus welchen Vermögens- und Ertragsbestandteilen sie stammt. Auch ausländische Quellensteuern und die Besonderheiten gebundener Vorsorge können relevant sein. Wer einen Kapitalbezug aus der Pensionskasse mit Verkäufen aus einem privaten Wertschriftendepot gleichsetzt, riskiert falsche Annahmen.

Wenn Deine Ausgaben in Schweizer Franken anfallen, Dein Depot aber internationale Anlagen enthält, können Wechselkurse die verfügbare Kaufkraft verändern. Selbst ein positiver Aktienmarkt in US-Dollar garantiert keinen positiven Ertrag in CHF. Das Währungsrisiko ist vom Renditereihenfolge-Risiko zu unterscheiden, kann dessen Auswirkungen jedoch verstärken.

Drei typische Denkfehler beim Entnehmen

Der erste Denkfehler lautet, dass eine langfristige Durchschnittsrendite als sicherer jährlicher Auszahlungsbetrag verwendet werden könne. Ein Depot mit durchschnittlich sechs Prozent Jahresrendite kann trotzdem bei einer Entnahme von sechs Prozent des Anfangsvermögens scheitern. Entscheidend sind Schwankungen, Entnahmezeitpunkt, Kosten und die Dauer der Auszahlungen.

Der zweite Fehler ist eine dauerhafte Erhöhung der Fixkosten nach einem guten Börsenjahr. Ein hoher Depotwert kann zusätzliche Ausgaben ermöglichen, aber neue langfristige Verpflichtungen bleiben auch dann bestehen, wenn die Märkte wieder fallen. Deshalb solltest Du einmalige Sonderausgaben und dauerhaft höhere Lebenshaltungskosten klar unterscheiden.

Der dritte Fehler besteht darin, Aktienquote, Liquidität und Renteneinnahmen getrennt zu betrachten. Ein grosser Cashpuffer heilt keine dauerhaft überhöhte Entnahmequote. Eine tiefe Aktienquote schützt nicht vollständig vor Inflation. Und ein grosses Anfangsvermögen sagt wenig aus, solange der tatsächliche jährliche Netto-Kapitalbedarf unbekannt ist.

So entwickelst Du einen robusteren Entnahmeplan

Beginne mit Deinen erwarteten jährlichen Haushaltsausgaben. Unterscheide notwendige Fixkosten von freiwilligen Ausgaben. Erfasse die voraussichtlichen Nettoleistungen aus AHV und Pensionskasse und deren Beginn. Die Differenz ergibt den Betrag, den Dein frei verfügbares Vermögen liefern muss.

Prüfe anschliessend, wie viel Kapital nach Steuern, geplanten Anschaffungen und sonstigen Verpflichtungen wirklich investierbar ist. Bestimme die kurzfristig notwendige Liquidität und eine zu Deiner Verlusttragfähigkeit passende Mischung aus Aktien, Obligationen und Cash. Vergleiche feste und flexible Entnahmeregeln anhand mehrerer Szenarien, einschliesslich eines starken Börsenverlusts in den ersten Jahren.

Lege schriftlich fest, wann Du die Strategie überprüfst, wann Du die Reserve auffüllst und wann freiwillige Ausgaben vorübergehend sinken sollen. Ein guter Plan ist nicht bloss mathematisch attraktiv, sondern auch in einer längeren Schwächephase umsetzbar. Veränderungen bei Gesundheit, Familie, Wohnland oder Vorsorgeleistungen können eine neue Beurteilung erforderlich machen.

FAQ: Häufige Fragen zur Renditereihenfolge

Betrifft das Risiko auch einen weltweit diversifizierten ETF?

Ja. Breite Streuung reduziert einzelne Unternehmensrisiken, verhindert aber keine allgemeinen Markteinbrüche. Wenn Du nach einem Rückgang Anteile verkaufen musst, ist die zeitliche Reihenfolge der Renditen auch bei einem globalen Indexfonds relevant. Diversifikation hilft bei der Risikoverteilung, garantiert jedoch keine bestimmte Kapitalreichweite.

Ist die Vier-Prozent-Regel für Schweizer Rentner sicher?

Nein. Sie ist eine historische Orientierung aus bestimmten US-Datensätzen und keine Garantie. Schweizer Steuern, Gebühren, Währung, Renteneinkommen und die tatsächliche Entnahmedauer können anders sein. Für eine tragfähige Planung solltest Du mehrere Szenarien und auch niedrigere Entnahmequoten vergleichen.

Kann ich das Risiko mit einem Sparkonto beseitigen?

Du kannst Kursrisiken für das dort gehaltene Geld reduzieren, aber andere Risiken bleiben. Inflation kann die Kaufkraft schmälern, und über lange Zeiträume entgehen Dir möglicherweise Kapitalmarkterträge. Eine ausschliessliche Cashstrategie ist deshalb nicht automatisch sicherer für eine jahrzehntelange Entnahmephase.

Sind Dividenden besser als ETF-Verkäufe?

Dividenden sind kein kostenloser zusätzlicher Gewinn. Eine Ausschüttung reduziert grundsätzlich den Wert der ausschüttenden Anlage um den Betrag, andere Markteinflüsse ausgenommen. Für den Entnahmeplan zählen Gesamtrendite, Steuerfolgen, Streuung und tatsächlicher Geldbedarf mehr als die blosse Ausschüttungshöhe.

Sollte ich nach einem Crash alle Aktien verkaufen?

Eine pauschale Antwort wäre unseriös. Panikverkäufe können Verluste realisieren und eine spätere Erholung verpassen lassen. Eine unpassend hohe Aktienquote kann allerdings ebenfalls gefährlich sein. Entscheidend ist eine vorab definierte Strategie, die Deine Risikofähigkeit und Liquiditätsbedürfnisse berücksichtigt.

Kann ein Robo-Advisor das Renditereihenfolge-Risiko ausschliessen?

Nein. Ein Robo-Advisor kann bei Portfolioverwaltung, Diversifikation und Rebalancing helfen, aber die künftige Marktfolge nicht kontrollieren. Du solltest prüfen, ob die angebotene Anlagestrategie zu Deinem Entnahmehorizont passt und welche Gebühren entstehen.

Fazit: Die Reihenfolge der Renditen gehört in jede Ruhestandsplanung

Ein langfristig guter Durchschnittsertrag garantiert nicht, dass Dein Depot bei regelmässigen Auszahlungen ausreicht. Frühe Kursverluste können in Kombination mit Entnahmen besonders schwer wiegen. Unser bewusst einfaches Beispiel zeigt mehr als 20'000 CHF Unterschied nach fünf Jahren, obwohl dieselben Jahresrenditen und dieselben Auszahlungen vorkommen.

Für Haushalte in der Schweiz ist deshalb die gemeinsame Betrachtung von AHV, Pensionskasse, frei verfügbarem Vermögen, Steuern, Liquidität und Ausgabenflexibilität entscheidend. Eine digitale Vermögensverwaltung kann die Umsetzung erleichtern, aber keinen unpassenden Entnahmeplan reparieren. Plane zunächst den notwendigen Kapitalbedarf, bevor Du ein konkretes Anlageprodukt auswählst.

Quellen und weiterführende Literatur

Morningstar: The State of Retirement Income 2025 (PDF) – Forschungsbericht zu modellierten Entnahmequoten und flexiblen Auszahlungsstrategien, Datenstand September 2025.

Morningstar: The Biggest Risk for New Retirees – Fachliche Erläuterung zum Einfluss früher Verluste in der Entnahmephase.

Morningstar: How to Avoid Outliving Your Retirement Savings? – Analyse der Rolle ungünstiger Renditereihenfolgen und der Kapitalerschöpfung.

Morningstar: What Is a Safe Withdrawal Rate for Early Retirement? – Modellvergleich verschiedener Entnahmezeiträume und Entnahmequoten.

Eidgenössische Steuerverwaltung: Einkommenssteuer natürlicher Personen (PDF) – Offizielle Erläuterung der Besteuerung privater Kapitalgewinne.

ch.ch: Die dritte Säule in der Schweiz – Offizielle Grundlagen zu gebundener Vorsorge und Kapitalbezug.

Selma: Offizielle Gebührenübersicht – Aktuelle Anbieterangaben zu Verwaltungsgebühren und Produktkosten.

Selma: Offizielle Partner-Landingpage – Aktuelle Informationen zum beworbenen Startbonus; Bedingungen vor Nutzung erneut prüfen.

Redaktionsstand: 1. November 2026. Die Rechenbeispiele sind hypothetisch; Gebühren, Steuerregeln und Angebotskonditionen können sich ändern.

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