Schweizer BIP-Wachstum 2026: Wie entwickeln sich Quartale, Sektoren und Ländervergleiche?
- Roman Welzk

- vor 9 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Wie entwickelt sich das Schweizer BIP-Wachstum 2026, und welche Quartale und Sektoren treiben die Wirtschaft an? Diese Fragen betreffen Arbeitnehmer, Unternehmen und Zuzügler, die die wirtschaftliche Lage in der Schweiz einordnen möchten.
Die Schweizer Wirtschaft wuchs 2025 real um 1,6 Prozent. Für 2026 liegen die Prognosen zwischen 0,8 und 1,8 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 stieg das saisonbereinigte BIP gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozent.
Wie hat sich das Schweizer BIP seit 2021 entwickelt?
Nach einem realen Wachstum von 6,2 Prozent im Jahr 2021 verlangsamte sich die Entwicklung schrittweise. Im Jahr 2022 betrug das Wachstum 3,6 Prozent und 2023 noch 0,9 Prozent.
Für 2024 weist das BFS ein Wachstum von 1,5 Prozent aus. Der Wert wurde von zuvor 1,4 Prozent nach oben revidiert. Im Jahr 2025 erreichte das reale BIP-Wachstum 1,6 Prozent.
Damit lag das Wachstum 2025 leicht über dem vom IMF angegebenen langfristigen Potenzialwachstum von etwa 1,5 Prozent.
Wie entwickelte sich das BIP in den einzelnen Quartalen?
Im dritten Quartal 2025 schrumpfte das saisonbereinigte BIP gegenüber dem Vorquartal um 0,2 Prozent. Im vierten Quartal folgte ein Wachstum von 0,2 Prozent.
Das erste Quartal 2026 brachte einen Anstieg von 0,4 Prozent. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das Wachstum deutlich auf 1,5 Prozent. Dies war das stärkste Quartalswachstum seit 2021.
Quartals- und Jahreswerte dürfen allerdings nicht gleichgesetzt werden. Die Quartalsrate vergleicht das BIP mit dem unmittelbar vorherigen Quartal. Das Jahreswachstum bildet dagegen die Entwicklung des gesamten Jahres ab.
Welche Sektoren trieben das Wachstum 2025 an?
Im Jahr 2025 kam der wichtigste Impuls aus der Binnennachfrage. Sie wuchs um 2,5 Prozent. Besonders stark entwickelten sich die Investitionen mit einem Plus von 3,5 Prozent.
Der private Konsum blieb stabil. Die Exporte entwickelten sich wegen der schwächeren globalen Nachfrage weniger dynamisch.
Diese Zusammensetzung zeigt, dass das Wachstum 2025 vor allem innerhalb der Schweizer Wirtschaft getragen wurde. Die internationale Nachfrage lieferte dagegen keinen vergleichbar starken Impuls.
Warum war das zweite Quartal 2026 so stark?
Der Industriesektor leistete im zweiten Quartal 2026 den grössten Wachstumsbeitrag. Besonders Chemie und Pharma erholten sich nach einem schwächeren ersten Quartal. Auch der Dienstleistungssektor wuchs, während sich die Exporte teilweise erholten.
Die hohe Quartalsrate sollte dennoch vorsichtig interpretiert werden. Ein Teil der Pharmaexporte wurde vor erwarteten US-Tarifen vorgezogen, die anschliessend nicht kamen. Dadurch könnte das zweite Quartal wirtschaftliche Aktivität enthalten, die sonst erst später angefallen wäre.
Andere exportorientierte Bereiche entwickelten sich schwächer. Die Uhrenexporte gingen im April 2026 um 16 Prozent zurück. Der Maschinenbau verzeichnete ein Wachstum von lediglich 1,7 Prozent.
Beispiel: Wie wird das Quartalswachstum eingeordnet?
Das saisonbereinigte BIP stieg im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal um 1,5 Prozent. Die zugrunde liegende Rechnung lautet:
BIP im zweiten Quartal 2026 = BIP im ersten Quartal 2026 + 1,5 Prozent des BIP im ersten Quartal 2026.
Die Rechnung bezieht sich damit ausschliesslich auf den Vergleich zweier aufeinanderfolgender Quartale. Aus der Rate von 1,5 Prozent folgt nicht, dass die Schweizer Wirtschaft im Gesamtjahr 2026 ebenfalls um 1,5 Prozent wächst.
Für die Jahresrate werden sämtliche Quartale des Jahres berücksichtigt. Deshalb kann ein starkes Einzelquartal mit schwächeren Quartalen zusammenfallen und dennoch zu einer niedrigeren Jahresrate führen.
Wie hoch sind die Prognosen für 2026?
Die Prognosen für das Gesamtjahr unterscheiden sich deutlich. Der IMF erwartet bereinigt ein Wachstum von 0,8 Prozent und unbereinigt 1,1 Prozent. Die Expertengruppe des SECO rechnet mit 0,9 Prozent, während die KOF ebenfalls 0,8 Prozent prognostiziert.
Die UBS erwartet bereinigt 1,8 Prozent. Unter Einbezug von Sportevents liegt ihre Prognose bei 2,2 Prozent.
Die Unterschiede zeigen, wie stark das Ergebnis von der verwendeten Berechnung und von Sondereffekten abhängt. Für die Einordnung sollte deshalb immer geprüft werden, ob eine Prognose bereinigt oder unbereinigt ausgewiesen wird.
Wie sehen die Aussichten für 2027 und 2028 aus?
Für 2027 erwartet der IMF ein Wachstum von 1,5 Prozent. Die Prognose der Expertengruppe des SECO liegt bei 1,6 Prozent.
Für 2028 nennt der IMF ein Wachstum von 1,7 Prozent. Damit würden sich die erwarteten Wachstumsraten wieder in der Nähe des historischen Potenzialwachstums von etwa 1,5 Prozent bewegen.
Prognosen sind jedoch keine garantierten Ergebnisse. Handelskonflikte, geopolitische Unsicherheit und ein schwächeres globales Wachstum können die tatsächliche Entwicklung verändern.
Welche Faktoren stützen die Schweizer Wirtschaft?
Zu den stützenden Faktoren gehören die starke Binnennachfrage und die hohen Investitionen des Jahres 2025. Im zweiten Quartal 2026 kam die Erholung der Chemie- und Pharmaindustrie hinzu.
Auch die niedrige Inflation von 0,4 bis 0,7 Prozent und der SNB-Zins von 0 Prozent wirken unterstützend. Gleichzeitig bleibt die Schweiz von der Entwicklung der internationalen Nachfrage abhängig.
Für 2026 wird bei der Exportnachfrage ein Rückgang von 0,7 Prozent erwartet. Das kann insbesondere Branchen belasten, die einen grossen Teil ihrer Waren im Ausland verkaufen.
Wie entwickelt sich das BIP pro Kopf?
Das Schweizer BIP pro Kopf wuchs 2025 um 0,5 Prozent. Seit 2019 beträgt der kumulierte Anstieg 4,8 Prozent.
Das Pro-Kopf-Wachstum fiel 2025 damit niedriger aus als das gesamte BIP-Wachstum von 1,6 Prozent. Für Zuzügler ist diese Unterscheidung relevant, weil das gesamte Wirtschaftswachstum nicht automatisch dieselbe Entwicklung pro Einwohner bedeutet.
Was ist für Zuzügler aus Deutschland oder Österreich anders?
Für Zuzügler ist vor allem die spezifische Zusammensetzung des Schweizer Wachstums relevant. Im zweiten Quartal 2026 hatten Chemie und Pharma einen besonders starken Einfluss, während sich Bereiche wie die Uhrenindustrie und der Maschinenbau schwächer entwickelten.
Die allgemeine BIP-Rate sagt deshalb noch wenig über die Lage in einer bestimmten Branche aus. Wer in die Schweiz zieht, sollte neben dem Gesamtwachstum auch die Entwicklung des eigenen Sektors betrachten.
Ein belastbarer Vergleich mit Deutschland oder Österreich setzt ausserdem voraus, dass dieselben Zeiträume, Preisbereinigungen und Vergleichsarten verwendet werden. Entsprechende Wachstumswerte für diese beiden Länder liegen in der Recherche nicht vor.
Die wichtigsten Zahlen
Wert | Betrag |
Reales BIP-Wachstum 2021 | plus 6,2 Prozent |
Reales BIP-Wachstum 2022 | plus 3,6 Prozent |
Reales BIP-Wachstum 2023 | plus 0,9 Prozent |
Reales BIP-Wachstum 2024 | plus 1,5 Prozent |
Reales BIP-Wachstum 2025 | plus 1,6 Prozent |
Binnennachfrage 2025 | plus 2,5 Prozent |
Investitionen 2025 | plus 3,5 Prozent |
BIP pro Kopf 2025 | plus 0,5 Prozent |
Drittes Quartal 2025 zum Vorquartal | minus 0,2 Prozent |
Viertes Quartal 2025 zum Vorquartal | plus 0,2 Prozent |
Erstes Quartal 2026 zum Vorquartal | plus 0,4 Prozent |
Zweites Quartal 2026 zum Vorquartal | plus 1,5 Prozent |
Prognosespanne 2026 | plus 0,8 bis plus 1,8 Prozent |
IMF-Prognose 2027 | plus 1,5 Prozent |
IMF-Prognose 2028 | plus 1,7 Prozent |
Fazit: Wie stark wächst die Schweizer Wirtschaft 2026?
Nach einem realen BIP-Wachstum von 1,6 Prozent im Jahr 2025 liegen die Prognosen für 2026 zwischen 0,8 und 1,8 Prozent. Das zweite Quartal 2026 war mit einem Wachstum von 1,5 Prozent gegenüber dem Vorquartal besonders stark. Wesentliche Impulse kamen aus der Chemie- und Pharmaindustrie, während schwache Exporte und geopolitische Unsicherheiten Risiken darstellen. Für Zuzügler ist neben der nationalen Wachstumsrate vor allem entscheidend, wie sich der eigene Wirtschaftssektor entwickelt.
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