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Mittelschicht Schweiz: Einkommensgrenzen für Familien

6. Mai 2023
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Okt.

Wann gehörst du zur Mittelschicht in der Schweiz? Eine einzelne Franken-Grenze für alle Haushalte gibt es nicht. Das Bundesamt für Statistik ordnet Personen nach dem Bruttoäquivalenzeinkommen ihres Haushalts ein. Dabei werden die Zahl der Erwachsenen und das Alter der Kinder berücksichtigt. Diese Methode ist für die Frage nach der Mittelschicht aussagekräftiger als der isolierte Lohn einer einzelnen Person.

Wie definiert das BFS die mittlere Einkommensgruppe?

Das Bundesamt für Statistik bezeichnet Haushalte mit einem Bruttoäquivalenzeinkommen zwischen 70 und 150 Prozent des Medians als mittlere Einkommensgruppe. Unter 70 Prozent spricht die verwendete Statistik von einer einkommensschwachen Gruppe, oberhalb von 150 Prozent von einer einkommensstarken Gruppe. Die Mitte lässt sich zusätzlich in eine untere und eine obere Hälfte unterteilen.

Diese Grenzen sind statistische Konventionen, keine gesetzlichen Anspruchsgrenzen. Wer knapp unter einer Grenze liegt, ist nicht automatisch arm, und wer darüber liegt, ist nicht automatisch vermögend. Die Einteilung beantwortet die Frage nach der relativen Einkommensposition innerhalb der Schweiz. Sie sagt nicht unmittelbar aus, ob dein konkreter Haushalt seine Ausgaben bequem tragen kann.

Einkommensgrenzen für Singles und Familien

Eine vom BFS 2026 publizierte Übersicht zu den Einkommensgruppen für das Datenjahr 2023 nennt für alleinlebende Personen einen mittleren Bereich von rund 4'228 bis 9'061 Franken monatlichem Bruttohaushaltseinkommen. Für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegen die entsprechenden Grenzen bei rund 8'880 bis 19'028 Franken. Die Werte beziehen sich ausdrücklich auf das statistische Datenjahr 2023, nicht auf eine angeblich bereits gemessene Einkommensverteilung 2026.

Die Grenzen ändern sich mit dem Erhebungsjahr und der Haushaltszusammensetzung. Die genannte BFS-Übersicht ist deshalb eine belastbare Orientierung, aber kein Tarif für Steuern, Sozialhilfe oder Prämienverbilligungen. Für diese Leistungen gelten andere, häufig kantonale Regeln und eigene Berechnungsmethoden.

Was bedeutet Bruttoäquivalenzeinkommen?

Das Bruttoäquivalenzeinkommen macht Haushalte unterschiedlicher Grösse vergleichbar. Die statistische Methode gewichtet weitere Erwachsene und Kinder geringer als die erste erwachsene Person, weil beispielsweise Wohnraum und Haushaltsgeräte gemeinsam genutzt werden können. Darum benötigt ein Vierpersonenhaushalt nicht einfach das Vierfache des Einkommens einer alleinlebenden Person, um statistisch ähnlich eingestuft zu werden.

Im BFS-Beispiel hat ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren eine Äquivalenzgrösse von 2,1. Bei einem Bruttohaushaltseinkommen von 12'600 Franken ergibt das rechnerisch 6'000 Franken Bruttoäquivalenzeinkommen. Das Beispiel dient der Erklärung der Statistik; es ist keine individuelle Empfehlung für das Familienbudget. Für andere Haushaltskonstellationen verändert sich der Faktor.

Medianlohn und mittlere Einkommensgruppe sind nicht dasselbe

Der Schweizer Medianlohn der Lohnstrukturerhebung 2024 beträgt 7'024 Franken brutto pro Monat für eine standardisierte Vollzeitstelle. Diese Zahl misst Arbeitsstellen. Die mittlere Einkommensgruppe wird dagegen anhand von Haushalten und deren Bruttoäquivalenzeinkommen bestimmt. Ein direkter Vergleich ohne diese Unterscheidung führt leicht zu falschen Aussagen.

Eine Teilzeit arbeitende Person kann in einem einkommensstarken Haushalt leben, wenn ein zweites Einkommen hinzukommt. Umgekehrt kann ein gut bezahlter Alleinverdiener mit mehreren Kindern statistisch anders eingeordnet werden als ein Single mit gleichem Lohn. Auch Renten, Transfers und andere Haushaltseinkünfte können in der Haushaltsstatistik eine Rolle spielen.

Warum fühlen sich Menschen aus der Mitte finanziell unter Druck?

Die statistische Mitte ist nicht identisch mit einem komfortablen Lebensstandard. Hohe Mieten, Krankenkassenprämien, Kinderbetreuung, Mobilität und steigende Alltagskosten können das frei verfügbare Budget belasten. Besonders grosse Unterschiede entstehen zwischen Haushalten mit und ohne externe Kinderbetreuung sowie zwischen Mietenden und Eigentümern.

Die Haushaltsbudgeterhebung 2023 des BFS wies für Privathaushalte ein durchschnittliches verfügbares Einkommen von 7'186 Franken pro Monat aus. Dieser Durchschnittswert ist kein Median und darf nicht als Mittelschichtsgrenze verwendet werden. Er umfasst durchschnittlich 2,07 Personen pro Haushalt und liegt auf einer anderen statistischen Grundlage als der standardisierte Lohnmedian.

Wie wirken sich Steuern und Sozialabgaben aus?

Für die persönliche finanzielle Situation zählt neben dem Bruttohaushaltseinkommen das verfügbare Einkommen nach obligatorischen Abgaben. Die Einkommenssteuer hängt in der Schweiz unter anderem vom Kanton, der Gemeinde, dem Zivilstand und der steuerlichen Situation ab. Dazu kommen Sozialversicherungsbeiträge und die individuell zu bezahlende Krankenversicherung.

Die Mittelschichtdefinition des BFS darf nicht mit den Regeln für die kantonale Prämienverbilligung, Familienzulagen oder Sozialhilfe verwechselt werden. Wer einen Anspruch prüfen möchte, muss die dafür zuständige kantonale Stelle und die aktuelle Rechtsgrundlage konsultieren. Eine statistische Zuordnung ersetzt keine individuelle Anspruchsprüfung.

Wie kannst du deinen Haushalt einordnen?

Beginne mit allen regelmässigen Bruttoeinkünften des Haushalts und notiere die Haushaltszusammensetzung. Vergleiche danach mit einer amtlichen BFS-Übersicht für das passende Datenjahr und die passende Haushaltsform. Prüfe zusätzlich das tatsächlich verfügbare Budget: Was bleibt nach Steuern, Versicherungen, Wohnen, Betreuung, Transport und Lebensmitteln?

Wer aus Deutschland in die Schweiz zieht, sollte vor allem die geplanten Schweizer Lebenshaltungskosten realistisch rechnen. Zwei Haushalte mit derselben statistischen Einkommensposition können sehr unterschiedlich leben. Ein eigener Haushaltsplan beantwortet die Frage nach der finanziellen Tragbarkeit besser als ein Etikett wie «untere Mitte» oder «obere Mitte».

Fazit: Die Mitte ist eine relative Einkommensgruppe

Die Mittelschicht in der Schweiz wird beim BFS über 70 bis 150 Prozent des medianen Bruttoäquivalenzeinkommens definiert. Der Vergleich muss Haushaltsgrösse und Datenjahr berücksichtigen. Für 2023 zeigen die 2026 veröffentlichten BFS-Grenzen deutliche Unterschiede zwischen Singles und Familien.

Die Einordnung ist nützlich für Statistik und gesellschaftliche Debatten, aber nicht als alleinige Grundlage für Umzug, Lohnverhandlung oder Vorsorgeplanung. Wer seine Lage verstehen möchte, sollte statistische Position, verfügbares Einkommen und Vermögenssituation getrennt betrachten.

Amtliche Quellen und Datengrundlagen

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