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Wie funktioniert die Börse? Handel, Kurse & Orderarten 2026

11. Mai 2023
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Die Börse verbindet Menschen und Institutionen, die Wertpapiere kaufen oder verkaufen möchten. Doch wie entsteht der Preis einer Aktie? Was passiert nach dem Klick auf «Kaufen» im Depot? Und weshalb kann eine Order anders ausgeführt werden, als der zuletzt angezeigte Kurs vermuten lässt? Dieser Ratgeber erklärt den Börsenhandel von der Preisbildung bis zur Abrechnung. Im Mittelpunkt stehen die Mechanismen des Handels, nicht die Auswahl eines bestimmten Wertpapiers. Wie Aktien, ETFs und Fonds als Anlageprodukte funktionieren, behandeln wir in eigenen Artikeln.

Was ist eine Börse und wozu gibt es sie?

Eine Börse ist ein organisierter Handelsplatz mit verbindlichen Regeln für den Handel bestimmter Finanzinstrumente. Unternehmen können über die Ausgabe neuer Aktien Kapital aufnehmen. Im anschliessenden Sekundärhandel wechseln bereits ausgegebene Aktien zwischen Anlegerinnen und Anlegern den Besitzer. Wenn Du heute eine Aktie an der Börse kaufst, fliesst Dein Geld deshalb in der Regel an den bisherigen Eigentümer und nicht direkt an das Unternehmen. Anleihen, börsengehandelte Fonds und weitere Produkte haben jeweils eigene Marktsegmente und Handelsregeln.

Die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange ist ein bedeutender Handelsplatz für Schweizer Aktien, Anleihen und ETFs. Daneben gibt es beispielsweise Xetra in Deutschland, Euronext und US-Börsen. Der Handelsplatz beeinflusst, welche Produkte Du handeln kannst, wann der Handel stattfindet, welche Liquidität verfügbar ist und welche Gebühren anfallen. Ein Börsenkurs ist dabei kein amtlich festgelegter Wert, sondern das Ergebnis konkreter Kauf- und Verkaufsaufträge.

Wie entstehen Aktienkurse?

Der Preis entsteht durch Angebot und Nachfrage. Im elektronischen Orderbuch stehen Kaufaufträge mit ihrem jeweils maximal akzeptierten Preis und Verkaufsaufträge mit ihrem jeweils minimal akzeptierten Preis. Das höchste Kaufgebot heisst Geldkurs oder Bid; das niedrigste Verkaufsangebot Briefkurs oder Ask. Die Differenz ist der Spread. Wenn sich passende Aufträge treffen, kommt ein Geschäft zustande. Der letzte gehandelte Kurs ist daher nicht automatisch der Preis, zu dem Du sofort eine grössere Menge kaufen oder verkaufen kannst.

Ein Beispiel: Im Orderbuch liegen Kaufaufträge bei CHF 99.90 und Verkaufsaufträge bei CHF 100.10. Der sichtbare Spread beträgt CHF 0.20 pro Aktie. Eine sofortige Kauforder kann zum Briefkurs ausgeführt werden; eine grössere Order kann mehrere Preisstufen durchlaufen. Gerade bei kleinen Unternehmen, ausserhalb stark frequentierter Handelszeiten oder in turbulenten Märkten können Spreads deutlich grösser sein. Neben Unternehmenszahlen bewegen Zinsen, Konjunktur, Wechselkurse, Erwartungen und Nachrichten die Nachfrage.

Welche Orderarten solltest Du kennen?

Bei einer Market-Order steht die schnelle Ausführung im Vordergrund, nicht ein garantierter Preis. Du akzeptierst grundsätzlich die verfügbaren Gegenseiten im Orderbuch. Bei einer Limit-Order setzt Du beim Kauf einen Höchstpreis oder beim Verkauf einen Mindestpreis. Die Ausführung ist nicht garantiert: Wird Dein Limit nicht erreicht oder fehlt Liquidität, kann die Order offen bleiben oder nur teilweise ausgeführt werden. Für Einsteiger ist das Verständnis dieser beiden Orderarten besonders wichtig.

Stop-Orders können nach Erreichen eines Auslösekurses eine weitere Order aktivieren. Eine Stop-Market-Order kann in einer Kurslücke erheblich schlechter ausgeführt werden als der Stop-Kurs. Eine Stop-Limit-Order begrenzt zwar den Ausführungspreis, kann dafür aber vollständig unausgeführt bleiben. Die konkrete Funktionsweise, verfügbare Orderarten und Gültigkeitsdauer hängen vom Broker und Handelsplatz ab. Prüfe vor dem Absenden stets Stückzahl, Handelswährung, Börsenplatz, Limit und die geschätzten Gesamtkosten.

Vom Kaufauftrag zur Depotbuchung

Wenn Du im Broker eine Order eingibst, prüft dieser zunächst unter anderem verfügbare Mittel und die Handelbarkeit des Produkts. Je nach Broker wird die Order an einen Handelsplatz oder einen anderen zulässigen Ausführungsweg weitergeleitet. Nach der Ausführung erhältst Du eine Abrechnung mit Stückzahl, Ausführungspreis und Gebühren. Die eigentliche Abwicklung – Übertragung der Wertpapiere gegen Zahlung – erfolgt über die beteiligten Abwicklungs- und Verwahrstellen. Der Zeitpunkt der Ausführung und der endgültigen Valuta können auseinanderliegen.

Eine Depotanzeige ist deshalb nicht mit einem physischen Aktienzertifikat gleichzusetzen. Üblicherweise werden Wertschriften elektronisch verwahrt. Prüfe bei der Wahl eines Brokers nicht nur die Ordergebühr, sondern auch Depotführung, Währungswechsel, Börsengebühren, allfällige Fremdspesen und die Bedingungen für einen späteren Depotübertrag. Bei grenzüberschreitender Anlage können zusätzliche Melde- und Steuerfragen entstehen.

Börsenindizes und unterschiedliche Anlageprodukte

Ein Index fasst die Entwicklung einer festgelegten Auswahl von Wertpapieren nach einer bestimmten Berechnungsmethode zusammen. Der SMI bildet einen Teil des Schweizer Aktienmarkts ab; der DAX und der S&P 500 stehen für andere Marktsegmente. Ein Index ist selbst nicht direkt kaufbar. ETFs oder andere Fonds können ihn jedoch nachbilden. Ein Kursindex berücksichtigt Dividenden anders als ein Performance- beziehungsweise Total-Return-Index. Vergleiche deshalb nicht unbesehen zwei unterschiedlich berechnete Indexstände.

Eine Aktie ist eine Unternehmensbeteiligung, eine Anleihe grundsätzlich eine Forderung gegen einen Emittenten, ein Fonds bündelt Anlagen und ein ETF ist eine börsengehandelte Fondsstruktur. Optionen und andere Derivate können komplexe Auszahlungsprofile und erhebliche zusätzliche Risiken besitzen. Ein Produkt wird nicht dadurch sicher, dass es an einer regulierten Börse gehandelt wird. Der Börsenplatz organisiert den Handel; er garantiert weder den Wert noch eine positive Rendite.

Welche Risiken und Kosten entstehen?

Aktienkurse können stark schwanken, Unternehmen können insolvent werden und Fremdwährungen können gegenüber dem Schweizer Franken abwerten. Ein enges Depot mit wenigen Einzeltiteln ist anfällig für Unternehmens- und Branchenrisiken. Auch ein breit gestreutes Portfolio bleibt von allgemeinen Markteinbrüchen betroffen. Bei illiquiden Wertpapieren drohen hohe Spreads und erschwerte Verkäufe. Bei gehebelten Produkten können Verluste sehr schnell entstehen. Geld, das Du in absehbarer Zeit sicher benötigst, gehört deshalb nicht ohne Weiteres in volatile Aktienanlagen.

Eine einfache Kostenrechnung zeigt die Bedeutung der Handelsgebühren: Kostet ein Kauf über CHF 500 insgesamt CHF 10, entspricht das bereits 2 Prozent des Anlagebetrags – noch vor einem möglichen Spread und späteren Verkaufskosten. Bei CHF 5'000 beträgt derselbe Betrag nur 0,2 Prozent. Das Beispiel ist keine Tarifangabe eines konkreten Brokers. Besonders bei kleinen und häufigen Transaktionen lohnt sich der Blick auf den Gesamtpreis. Eine niedrig ausgewiesene Orderprovision kann durch ungünstige Währungsumrechnung oder weitere Gebühren relativiert werden.

Börsenhandel und Steuern in der Schweiz

Für natürliche Personen mit Wertschriften im Privatvermögen sind realisierte Kapitalgewinne aus beweglichem Privatvermögen in der Schweiz grundsätzlich einkommenssteuerfrei. Das gilt nicht pauschal für gewerbsmässigen Wertschriftenhandel oder Geschäftsvermögen. Dividenden und Zinsen sind grundsätzlich steuerbare Einkünfte. Wertschriften gehören zudem mit dem steuerlich massgeblichen Wert in die Vermögenssteuererklärung des Wohnsitzkantons. Die ESTV stellt dafür unter anderem die Kurslisten und ICTax-Daten bereit.

Bei schweizerischen Kapitalerträgen kann Verrechnungssteuer anfallen; bei ordnungsgemässer Deklaration ist unter den gesetzlichen Voraussetzungen eine Rückerstattung beziehungsweise Anrechnung möglich. Ausländische Quellensteuern folgen eigenen Regeln und Doppelbesteuerungsabkommen. Wer in Deutschland steuerlich ansässig ist, unterliegt anderen Regeln: Kapitalerträge und Veräusserungsgewinne sind dort grundsätzlich steuerlich relevant. Der Wohnsitz und die steuerliche Ansässigkeit sind deshalb wichtiger als die Nationalität oder der Standort des Brokers.

So gehst Du als Einsteiger systematisch vor

Definiere zuerst, wofür Du investierst, welchen Zeithorizont Du hast und welchen Verlust Du finanziell und psychologisch tragen kannst. Baue einen Liquiditätspuffer auf und vermeide den Einsatz kurzfristig benötigter Mittel. Lerne den Unterschied zwischen Market- und Limit-Order anhand kleiner, nachvollziehbarer Beispiele. Vergleiche die Gesamtkosten mehrerer Depotanbieter und prüfe Produktunterlagen sowie regulatorische Informationen. Entscheide erst danach, ob einzelne Aktien oder breit gestreute Fonds zu Deiner Strategie passen.

Kontrolliere beim ersten Kauf den konkreten Handelsplatz, die Währung und das Limit. Bewahre Abrechnungen für Steuererklärung und Einstandskurs auf. Lege Regeln für den Umgang mit Kursrückgängen fest, statt spontan auf jede Schlagzeile zu reagieren. Ein Demo-Depot kann helfen, die Bedienung zu üben; simulierte Erfolge beweisen allerdings nicht, dass eine reale Strategie profitabel ist. Langfristiger Vermögensaufbau braucht weniger hektische Entscheidungen als einen tragfähigen Plan.

Fazit

Die Börse ist ein geregelter Marktplatz, auf dem sich Kauf- und Verkaufsaufträge begegnen. Der Kurs entsteht im Handel, nicht durch eine zentrale Preisvorgabe. Wer Orderarten, Spreads, Kosten, Risiken und die steuerlichen Grundregeln versteht, kann Anlageentscheidungen fundierter treffen. Dieser Beitrag erklärt die Handelsmechanik; er ist keine persönliche Anlageempfehlung.

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