Was macht einen ETF sicher?
- Roman Welzk

- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Was macht einen ETF sicher? Diese Frage betrifft Anleger, die Verlustrisiken begrenzen möchten, ebenso wie Zuzügler, die ihr Vermögen nach dem Umzug in die Schweiz neu strukturieren.
Kein ETF ist zu 100 Prozent sicher. Als vergleichsweise sicher gelten breit diversifizierte, physisch replizierende UCITS-ETFs mit mehr als CHF 500 Millionen Fondsvolumen, einer TER unter 0,30 Prozent pro Jahr und einem Tracking Error unter 0,5 Prozent pro Jahr.
Dabei muss zwischen der Sicherheit der Fondsstruktur und dem Marktrisiko unterschieden werden. Auch ein regulierter und breit aufgestellter ETF kann an Wert verlieren, wenn die enthaltenen Aktien, Anleihen oder anderen Anlagen fallen. Was ist ein ETF? - Ein umfassender Leitfaden für Einsteiger
Wie schützt die UCITS-Regulierung Anleger?
UCITS-ETFs unterliegen strengen Regeln für Diversifikation, Verwahrung und Bewertung. Eine einzelne Position darf grundsätzlich höchstens 10 Prozent ausmachen. Der Nettoinventarwert, auch NAV genannt, wird täglich berechnet.
Das ETF-Vermögen wird getrennt vom Vermögen des Anbieters verwahrt. Gerät die Fondsgesellschaft in finanzielle Schwierigkeiten, gehört das Fondsvermögen deshalb nicht zu ihrem eigenen Unternehmensvermögen. Zusätzlich übernimmt ein unabhängiger Verwahrer die Aufbewahrung der Anlagen.
Für UCITS-ETFs gilt ausserdem ein maximal erlaubter Hebel von 2x. Die UCITS-Kennzeichnung reduziert verschiedene strukturelle Risiken, schützt aber nicht vor Kursverlusten des zugrunde liegenden Marktes.

Ist ein physischer ETF sicherer als ein synthetischer ETF?
Ein physisch replizierender ETF kauft die im Index enthaltenen Wertpapiere tatsächlich. Dadurch besteht kein Kontrahentenrisiko gegenüber einem Swap-Partner, und die Zusammensetzung des Fonds lässt sich leichter nachvollziehen.
Ein synthetischer ETF bildet den Index dagegen mithilfe von Swaps oder anderen Derivaten ab. Fällt der beteiligte Kontrahent aus, kann daraus ein Verlust entstehen. Bei UCITS-ETFs ist dieses Kontrahentenrisiko auf maximal 10 Prozent begrenzt.
Synthetische ETFs können bei schwer zugänglichen Märkten einen geringeren Tracking Error erreichen. Wer die Struktur möglichst einfach halten und das Swap-Risiko vermeiden möchte, kann jedoch einen physisch replizierenden ETF wählen.
Warum macht eine breite Diversifikation einen ETF sicherer?
Je mehr Unternehmen, Länder und Branchen ein Index umfasst, desto geringer ist die Abhängigkeit von einzelnen Positionen. Ein Kurssturz bei einem Unternehmen hat in einem breiten Index deshalb normalerweise weniger Gewicht als in einem konzentrierten Themen-ETF.
Der S&P 500 umfasst 500 Aktien. Der MSCI World enthält mehr als 1’500 Unternehmen aus 23 Ländern. Solche Indizes sind breiter gestreut als ein Spezial-ETF mit beispielsweise nur 10 Biotechnologie-Aktien.
Als Orientierung gelten mindestens 500 Positionen als breit diversifiziert. Ein ETF mit weniger als 50 Positionen kann dagegen deutlich stärker von einzelnen Unternehmen oder Marktsegmenten abhängen.
Welche Basisanlagen erhöhen das Risiko?
Die Bezeichnung ETF sagt noch nichts darüber aus, wie riskant die enthaltenen Anlagen sind. Breite Aktienindizes und Anleihen hoher Bonität gelten als stabilere Grundlage als konzentrierte Spekulationen auf einzelne Themen.
Krypto-, Rohstoff-, inverse und gehebelte ETFs können wesentlich stärker schwanken. Hebel-ETFs mit 2x oder 3x verstärken Marktbewegungen und sind nicht auf eine langfristig stabile Wertentwicklung ausgerichtet.
Auch ein Immobilien-ETF ist nicht automatisch risikoarm. Massgebend bleiben die enthaltenen Anlagen, ihre Streuung und ihre Abhängigkeit von bestimmten Märkten.

Welche Fondsgrösse und Liquidität sollte ein ETF haben?
Ein Fondsvolumen von mehr als CHF 500 Millionen gilt als sinnvoller Richtwert. Grosse ETFs mit mehr als CHF 1 Milliarde verwaltetem Vermögen verfügen häufig über ein hohes Handelsvolumen und mehrere Market Maker.
Dadurch kann die Geld-Brief-Spanne enger ausfallen. Das verringert die indirekten Kosten beim Kauf und Verkauf.
Bei einem Fondsvolumen unter CHF 100 Millionen ist das Risiko einer späteren Schliessung höher. Ein niedriges Handelsvolumen kann zudem zu weiten Spreads führen und den Verkauf in unruhigen Marktphasen erschweren.
Was sagen Tracking Error und TER über einen ETF aus?
Der Tracking Error zeigt, wie stark die Wertentwicklung eines ETFs von seinem Index abweicht. Ursachen können Gebühren, Steuern, Währungen, Liquidität und die gewählte Replikationsmethode sein.
Ein Tracking Error unter 0,5 Prozent pro Jahr gilt als günstiger Richtwert. Werte über 1 Prozent pro Jahr weisen dagegen auf eine deutlichere Abweichung vom Index hin.
Die Total Expense Ratio, kurz TER, erfasst die laufenden Fondskosten. Bei einem Standard-ETF sollte sie unter 0,30 Prozent pro Jahr liegen. S&P-500-ETFs kosten häufig zwischen 0,07 und 0,20 Prozent pro Jahr. Niedrige Kosten beseitigen kein Marktrisiko, verringern aber den laufenden Abzug von der Rendite.
Wie wichtig ist ein etablierter ETF-Anbieter?
Zu den etablierten Anbietern gehören BlackRock mit iShares, Vanguard, Amundi, Invesco, DWS und UBS. Grosse Anbieter verfügen üblicherweise über mehr Erfahrung und eine umfangreiche Infrastruktur für Fondsverwaltung und Risikomanagement.
Ein kleiner oder weniger bekannter Anbieter ist deshalb nicht automatisch unsicher. Auch dort wird das Fondsvermögen getrennt verwahrt. Unterschiede können jedoch beim Service, bei der Qualität und beim Risiko einer Fondsschliessung bestehen.
Entscheidender als der Name allein sind die Regulierung, die Replikationsmethode, das Fondsvolumen und die enthaltenen Anlagen.
Wie beeinflusst die Währung die Sicherheit?
Enthält ein ETF Anlagen in einer Fremdwährung, beeinflusst deren Entwicklung das Ergebnis in Schweizer Franken. Fällt beispielsweise der US-Dollar, kann ein in US-Dollar investierter ETF aus Sicht eines Schweizer Anlegers zusätzlich an Wert verlieren.
Ein CHF-hedged ETF sichert dieses Währungsrisiko für Schweizer Anleger ab. Die Absicherung verursacht allerdings höhere Kosten und kann bei einem starken US-Dollar die Rendite verringern.
Ein ungehedgter ETF ist meist günstiger und profitiert von einer stärkeren Fremdwährung. Dafür bleibt das Währungsrisiko vollständig bestehen.
Beispiel: Wie lässt sich ein ETF anhand der Kriterien prüfen?
Der iShares Core S&P 500 UCITS ETF mit dem Code CSPX ist UCITS-konform und repliziert den S&P 500 physisch. Er umfasst mehr als 500 Positionen, verwaltet mehr als USD 50 Milliarden und weist ein hohes Handelsvolumen auf.
Seine Kennzahlen lassen sich direkt mit den Richtwerten vergleichen:
0,07 Prozent TER pro Jahr < 0,30 Prozent pro Jahr
Unter 0,1 Prozent Tracking Error pro Jahr < 0,5 Prozent pro Jahr
Damit erfüllt der ETF die genannten Richtwerte bei Kosten, Tracking Error, Fondsgrösse, Regulierung, Replikation und Diversifikation. Vollständig risikofrei ist er trotzdem nicht: Für Schweizer Anleger bleibt bei der ungehedgten Variante das Währungsrisiko gegenüber dem US-Dollar bestehen.
Was ist für Zuzügler in der Schweiz anders als in Deutschland oder Österreich?
Nach dem Zuzug in die Schweiz verändert sich vor allem die Währungsperspektive. Für Anleger mit Ausgaben und Anlagezielen in Schweizer Franken ist die Entwicklung in CHF massgebend.
Während für Anleger mit Euro-Bezug ein EUR-hedged ETF das Fremdwährungsrisiko reduzieren kann, kommt in der Schweiz eine CHF-hedged Variante infrage. Die Absicherung senkt das Währungsrisiko, führt aber zu höheren Kosten.
Auch beim Fondsvolumen können Schweizer Anleger die Schwellenwerte in Franken prüfen: Mehr als CHF 500 Millionen gelten als sinnvoller Richtwert, während ein Fondsvolumen unter CHF 100 Millionen mit einem höheren Schliessungsrisiko verbunden sein kann.
Die wichtigsten Zahlen
Wert | Betrag |
Sicherheit eines ETFs | Nie 100 Prozent |
Maximale UCITS-Einzelposition | 10 Prozent |
Maximales UCITS-Kontrahentenrisiko | 10 Prozent |
Maximales UCITS-Leverage | 2x |
Breite Diversifikation | 500+ Positionen |
Konzentrierter ETF | Weniger als 50 Positionen |
Empfohlenes Fondsvolumen | Mehr als CHF 500 Millionen |
Kleines Fondsvolumen | Weniger als CHF 100 Millionen |
Niedriger Tracking Error | Unter 0,5 Prozent pro Jahr |
Hoher Tracking Error | Über 1 Prozent pro Jahr |
Niedrige TER | Unter 0,30 Prozent pro Jahr |
Hohe TER | Über 0,60 Prozent pro Jahr |
Fazit: Welche Merkmale machen einen ETF sicher?
Kein ETF bietet 100 Prozent Sicherheit, weil sein Wert weiterhin von den enthaltenen Anlagen und den Märkten abhängt. Vergleichsweise sicher sind physisch replizierende UCITS-ETFs mit mindestens 500 Positionen und mehr als CHF 500 Millionen Fondsvolumen. Als zusätzliche Richtwerte gelten ein Tracking Error unter 0,5 Prozent und eine TER unter 0,30 Prozent pro Jahr. Zuzügler sollten ausserdem prüfen, ob das Währungsrisiko zum künftigen Einkommen und zu den Ausgaben in Schweizer Franken passt.
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Quellen
https://blog.investengine.com/investing-in-etfs-what-is-an-etf-how-do-they-work-and-are-etfs-safe/
https://www.ifec.org.hk/web/common/pdf/publication/en/etf_eng.pdf
https://b-k-consulting.com/en/insurance-tips/how-safe-are-etfs-really/
https://www.home.saxo/learn/guides/etfs/the-risks-of-etf-investing-and-how-to-manage-them
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1042443123001531




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