Freizügigkeitskonto Schweiz 2026: Jobwechsel & Auszahlung
Aktualisiert: 28. Okt.
Wenn du in der Schweiz eine Stelle verlässt, endet unter Umständen auch deine Versicherung bei der bisherigen Pensionskasse. Dein angespartes Vorsorgekapital verschwindet dadurch nicht: Es wird als Freizügigkeitsleistung an die neue Pensionskasse oder, bei einer Vorsorgelücke, an eine Freizügigkeitseinrichtung übertragen. Dieser praktische Ratgeber zeigt dir den Ablauf für 2026. Für das gesamte BVG-System gibt es auf unserer Website einen separaten Grundlagenartikel.
Was ist ein Freizügigkeitskonto?
Ein Freizügigkeitskonto dient der Erhaltung deiner bereits angesparten beruflichen Vorsorge, wenn du vorübergehend keiner neuen Pensionskasse angeschlossen bist. Die Freizügigkeitsleistung umfasst die gesetzlich geschuldete Austrittsleistung aus deiner bisherigen Vorsorgeeinrichtung. Die Pensionskasse erstellt beim Austritt eine Abrechnung; dieses Kapital bleibt grundsätzlich zweckgebunden und gehört nicht auf dein gewöhnliches Privatkonto.
Das Freizügigkeitskonto ist keine Säule 3a. Es nimmt vorhandenes Guthaben aus der zweiten Säule auf; freie jährliche Einzahlungen wie auf ein Sparkonto sind nicht vorgesehen. Eine Freizügigkeitspolice bei einer Versicherung ist eine alternative Form der Erhaltung des Vorsorgeschutzes. Ob eine Konto- oder Wertschriftenlösung geeignet ist, hängt von deinem Anlagehorizont, Gebühren und Risikoverständnis ab.
Wann brauchst du eine Freizügigkeitseinrichtung?
Typische Fälle sind Arbeitslosigkeit, eine längere berufliche Pause, der Übergang in eine selbständige Tätigkeit oder ein Stellenwechsel, bei dem noch keine neue Vorsorgeeinrichtung vorhanden ist. Wenn du direkt eine neue BVG-versicherte Stelle antrittst, muss die Austrittsleistung grundsätzlich an die Pensionskasse des neuen Arbeitgebers überwiesen werden. Das Freizügigkeitskonto ist dann normalerweise nur eine Zwischenstation, nicht ein frei wählbarer dauerhafter Ersatz.
Eine kurze Elternzeit oder ein Sabbatical führt nicht automatisch zu einem Freizügigkeitsfall. Entscheidend ist, ob dein Arbeits- und Vorsorgeverhältnis fortbesteht. Prüfe deshalb zunächst die Austrittsabrechnung und frage bei der bisherigen Pensionskasse nach, bevor du ein neues Konto eröffnest.
So funktioniert der Übertrag in der Praxis
Fordere bei der bisherigen Pensionskasse deine Austrittsabrechnung an. Steht eine neue versicherte Anstellung fest, gib ihr die Daten der neuen Pensionskasse. Besteht eine Lücke, wähle eine Freizügigkeitsstiftung und teile der alten Kasse deren Überweisungsangaben mit. Prüfe anschliessend die schriftliche Bestätigung, den verbuchten Betrag und deine persönlichen Daten.
Wird kein geeigneter Empfänger gemeldet, kann das Guthaben später an die Stiftung Auffangeinrichtung BVG gelangen. Auch dort bleibt es Vorsorgegeld. Die Auffangeinrichtung verwaltet solche Konten und bietet die Überweisung an eine neue Pensionskasse an. Kontrolliere nach jedem Stellenwechsel, ob alte Guthaben tatsächlich zusammengeführt wurden.
Konto oder Wertschriftenlösung: Was ist besser?
Ein verzinstes Freizügigkeitskonto hat typischerweise weniger Kursschwankungen, kann aber bei tiefen Zinsen langfristig Kaufkraft verlieren. Wertschriftenlösungen investieren je nach Strategie in Aktien und Anleihen und unterliegen Markt- und Verlustrisiken. Gerade wenn ein Wiedereintritt in eine Pensionskasse oder ein Bezug bald ansteht, ist der Zeithorizont entscheidend.
Vergleiche nicht nur die beworbene Rendite. Wichtig sind Gesamtkosten, Depotgebühren, Produktkosten, mögliche Wechsel- oder Auszahlungsgebühren, Anlagelimiten und die Bedingungen bei einem Übertrag. Ein Anlageergebnis ist nie garantiert. Auch die rechtliche Sicherung von Vorsorgeguthaben ist nicht identisch mit der üblichen Einlagensicherung eines privaten Bankkontos.
Wann darf das Guthaben ausgezahlt werden?
Freizügigkeitsgeld ist grundsätzlich für die Altersvorsorge gebunden. Gesetzliche Ausnahmen können etwa die Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit ohne obligatorische BVG-Versicherung, bestimmte geringfügige Austrittsleistungen, selbstgenutztes Wohneigentum, Invalidität oder die Pensionierung betreffen. Jede Ausnahme hat eigene Voraussetzungen und Nachweispflichten. Eine blosse Kündigung des Jobs berechtigt nicht zur freien Barauszahlung.
Bei endgültigem Wegzug aus der Schweiz ist besonders die Unterscheidung zwischen obligatorischem und überobligatorischem Guthaben wichtig. Wer in ein EU- oder EFTA-Land zieht und dort obligatorisch für Alter, Tod und Invalidität versichert ist, kann den obligatorischen BVG-Teil grundsätzlich nicht bar beziehen. Der Sicherheitsfonds BVG erläutert das Prüfverfahren. Die Auszahlung und ihre Besteuerung im Zielland sind getrennt zu beurteilen.
Steuern in der Schweiz und bei Wegzug nach Deutschland
Während das Freizügigkeitsguthaben in der gebundenen Vorsorge verbleibt, wird es grundsätzlich nicht wie gewöhnliches frei verfügbares Privatvermögen behandelt. Bei einer zulässigen Kapitalauszahlung fällt eine gesonderte Besteuerung an. Bei Wohnsitz im Ausland kann die Schweiz Quellensteuer erheben; ob und wie eine Rückerstattung möglich ist, hängt insbesondere vom Doppelbesteuerungsabkommen und den konkreten Umständen ab.
Bei deutschem Steuerwohnsitz ist zusätzlich die deutsche Behandlung der konkreten Schweizer Vorsorgeleistung zu prüfen. Eine pauschale Aussage wie „die Auszahlung ist in Deutschland steuerfrei“ wäre falsch. Lass dir vor dem Bezug die Aufteilung in obligatorische und überobligatorische Anteile sowie die Art der Leistung schriftlich bestätigen.
Häufige Fehler und kurze Checkliste
Verwechsle die Freizügigkeit nicht mit einem Säule-3a-Konto, lasse alte Guthaben nicht unbeachtet und überweise sie bei einem neuen BVG-versicherten Arbeitsverhältnis an die neue Pensionskasse. Kontrolliere Gebühren, Begünstigungsregeln und die Adresse bei der Stiftung. Bewahre Austrittsabrechnung, Kontoeröffnungsbestätigung und Übertragungsbelege auf.
Praktisch ist eine jährliche Vorsorgeinventur: Welche Pensionskasse ist aktuell zuständig, gibt es alte Freizügigkeitskonten, stimmen die Begünstigungsangaben und passt die Anlagestrategie zu deinen Plänen? Bei komplexem Wegzug, Scheidung oder Wohneigentumsbezug solltest du fachkundige Beratung einholen.
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Amtliche Quellen und weiterführende Informationen
Die folgenden Stellen erläutern die gesetzlichen Grundlagen und praktischen Verfahren. Stand der redaktionellen Prüfung: 28. Oktober 2026.









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